Herbst 2006

Elefantenkampf im Zoo Köln – vorhersehbar und untragbar

Statement des Vereins ELEFANTEN-SCHUTZ  EUROPA  e.V. / European Elephant Group:

 


Was in Presse und TV als „spannender Kampf der Giganten“ und als „Elefanten-Wrestling“ im Zoo dargestellt wird, ist in Wirklichkeit ein tiergärtnerisches Desaster.

Dazu einige Background-Informationen:

Als am 19.09.2004 der neue Elefanten-Park im Zoo Köln eröffnet wurde, bewerteten Experten das Projekt als Meilenstein für die zukünftige Haltung der Grauen Riesen. Mit Recht!

3 Kriterien sind dabei besonders hervorzuheben:

Der räumlich begrenzte Stadtzoo Köln schaffte es, ein fast 2 Hektar großes Areal für eine Elefantengruppe freizumachen. Der im Haus befindliche Innenfreilauf für Bullen, Weibchen und Jungtiere ist der größte seiner Art. Zusammen mit 3 geräumigen Außengehegen und Wasserbecken bietet der Zoopark Köln das größte Bewegungsareal in einem Cityzoo weltweit.

Der 2. Punkt ist die Umstellung auf „Geschützten Pflegerkontakt“ („Protected Contact“), der im Kölner Elefantenpark erstmals in einem deutschen Zoo umgesetzt wurde. Damit reagierte der Zoo Köln auf die deprimierende Unfallbilanz in Zoos, wo bei „Direktem Pflegerkontakt“ zahlreiche Pfleger durch Elefanten getötet oder schwer verletzt wurden.

Der 3. Punkt ist die Fachkompetenz des erfahrenen Kölner Pflegerteams, dem es gelang, die eingetroffenen Elefanten aus verschiedenen Haltungen im „Protected Contact“ zu einer harmonischen Gruppe zu vereinen, was nicht unbedingt zu erwarten war.

Vereint wurden zunächst:

Der geprüfte Zuchtbulle „Bindu“ aus Port Lympne, England, die beiden Elefantenmütter „Khaing Lwin Htoo“ und „Thi Ha Phyu“ mit ihren Söhnen „Aung Bo“ und „Aung Si“ aus dem Zoo Emmen. Hinzu stieß der im Zoo Singapur geborene Jungbulle „Sang Raja“ – ein für Experten nicht nachvollziehbarer Import (Organisation: Dr. Behlert), da es in Europa ohnehin einen Überschuss an zoogeborenen, schwer vermittelbaren Jungbullen gibt.

1 Jahr später, am 27.09.2005 konnten noch 2 junge Weibchen „Shu Thu Zar“ (ca. 12-jährig) und „Aye Shan May“ (ca. 11-jährig) aus Myanmar (Burma) importiert werden, die aufgrund ihres Alters problemlos in die Gruppe mit den dominanten Elefantenmüttern integriert wurden.

Am 30.03.2006 brachte die trächtig aus Emmen gekommene „Khaing Lwin Htoo“ in der Gruppe ein weibliches Kalb zur Welt, was einen willkommenen Besucherstrom auslöste. Das „Elefantenglück“ im Zoo Köln schien perfekt. Spielend und badend verbrachte die 9-köpfige Gruppe Asiatischer Elefanten in Innen- und Außengehegen, die – miteinander verbunden – abwechslungsreichen und weiträumigen Auslauf gewährten.

Die erfreulichen Aspekte der Haltung im neuen Elefantenpark Köln wurden von unserem Verein wiederholt in den Elefanten-Magazinen und in Anfragen von Presse und TV hervorgehoben.

Falscher Ehrgeiz mit katastrophalen Folgen

Der Zoo Köln will eine der größten Zuchtgruppen Asiatischer Elefanten in Europa präsentieren. Zu den vorhandenen 9 Tieren können durch Nachzuchten („Thi Ha Phyu“ ist trächtig und die jungen Weibchen wurden gedeckt), weitere Tiere hinzukommen, wobei die Harmonie der Gruppe weitgehend bestehen bleiben sollte.

Als Mitte des Jahres 2006 zunächst das Gerücht aufkam, der Zoo Köln wolle noch eine größere Elefantengruppe aus Thailand importieren, stieß diese Absicht bei Elefantenkennern, die mit der Zooszene vertraut sind, auf Unverständnis.

Als dann am 16.09.2006 tatsächlich 5 aus Thailand importiere Elefantenkühe, angeblich 16 – 23-jährig, im Zoo Köln eintrafen, stand die Einschätzung von Insidern augenblicklich fest:

Das kann nicht gut gehen. Die im Zoo etablierten Elefantenmütter werden die teilweise gleichaltrigen Neuankömmlinge (mit Leitkuh) nicht ohne heftige Auseinandersetzungen akzeptieren.


Die Gruppe bedenkenlos, ohne geduldige Einzelgewöhnung der Tiere untereinander, zusammenzulassen, zeugt von Unerfahrenheit und Inkompetenz. Dabei sind keineswegs die Pfleger gemeint, für welche die Situation wohl ein ebensolches Desaster ist wie für die Elefanten.

Die Verantwortung für den Import tragen Aufsichtsrat und Zooleitung gemeinsam, allen voran Tierarzt Dr. Behlert, der dieses ehrgeizige Vorhaben durchgesetzt hat. Dafür konnte Dr. Behlert nach Presseangaben über 500.000.—EURO (mit rund 20 Flügen nach Thailand) aufwenden – eine horrende Summe für einen Zoo, der um Spenden bettelt. Und für einen Import, der eher schadet als nützt.

Die Folgen sind noch nicht abzusehen, doch die Probleme sind bereits eingetreten

Die bei den ersten Auseinandersetzungen vom Jungbullen „Sang Raja“ davongetragene Stoßzahnverletzung kann erfahrungsgemäß ernste Nachwirkungen und langwierige Behandlungen nach sich ziehen.

Selbst wenn bei weiteren Kämpfen zwischen den rivalisierenden Weibchen eine vorerst den Sieg davontragen sollte (inkl. Verletzungen bei beiden Tieren), so können die Auseinandersetzungen jederzeit wieder aufflammen – auch ein Erfahrungswert. 2 verfeindete Weibchen sind häufig überhaupt nicht mehr zusammenzubringen.

Eine Auseinandersetzung zwischen Elefanten im Zoo ist nicht zu vergleichen mit einem Kampf im Freiland, wo sich eine Weibchengruppe auch aufteilen und völlig aus dem Gesichtsfeld verschwinden kann. Dafür sind im Zoo selbst weiträumige Gehege zu klein. Kommt es zur Aufsplitterung der Elefantengruppe im Zoo Köln, so ist es auch mit dem positiven Konzept vorbei – dem großen „Rundlauf“ durch 5 Gehege (inkl. Innenbereich). Dann stehen im gelobten Elefantenpark Köln wieder Elefanten in mäßig großen Einzelgehegen wie in anderen weniger fortschrittlichen Elefantenhaltungen.

Trächtige Elefantenkühe (z.B. „Thi Ha Phyu“) in Kämpfe verwickeln zu lassen, ist ohnehin verantwortungslos und es könnte durch den Stress auch ein Abort ausgelöst werden. Hier sei noch vermerkt, dass auch mindestens eines der importierten Weibchen hoch trächtig sein soll. Wie kann man wissentlich ein solches Tier dem immensen Transportstress aussetzen?

Hinzu kommt noch ein anderes, unwürdiges Schauspiel:

Tierarzt Dr. Behlert möchte nach seinem überflüssigen Import die beiden Jungbullen „Aung Bo“ und „Aung Si“ schnellstmöglich loswerden. Geplant war der Transfer in den Zoo Plock, Polen, der 2 Jungbullen aufnehmen kann. Doch in Plock steht noch der jetzt 8-jährige, in Paris geborene Asiatische Jungbulle, „Thisiam“. Dieser sollte bereits im September 2006 in den Zoo Kolmarden, Schweden, für Zuchtzwecke umsiedeln. „Thisiam“ steht jedoch unter TB-Verdacht. So lange dieser Verdacht nicht geklärt ist, wird ein Transfer nach Schweden genauso blockiert, wie ein Transfer der Kölner Jungbullen nach Plock. Es ist in erster Linie Aufgabe des Zoos Köln, sich rechtzeitig um eine adäquate Unterbringung der Jungbullen zu bemühen.

Die genannten Jungbullen haben seit der Eröffnung des Kölner Elefantenparks die Besucher durch ihr unermüdliches Spiel zu Wasser und zu Lande erfreut, sie brachten viel Abwechslung in den Zooalltag der Elefantengruppe. Und nichts spricht dagegen, dass die beiden Jungbullen, die bereits seit Wochen zwecks Abschiebung von ihren Müttern und der Gruppe getrennt sind, weiterhin für einige Zeit nicht isoliert im Zoopark Köln leben, bis ein wirklich geeigneter Platz gefunden ist. Doch für den Zoo Köln heißt jetzt offensichtlich das Motto: „Die Mohren haben ihre Schuldigkeit getan, die Mohren können gehen“.

Das ganze Debakel, das Tierarzt Dr. Behlert billigend in Kauf nimmt, wobei er die von ihm heraufbeschworene Situation medienträchtig zu verkaufen sucht, ist insbesondere für den Zoo Köln und dessen Elefantenhaltung ein rufschädigendes und tiergärtnerisch unvertretbares Verhalten.

Alexander Haufellner
Vorstandsmitglied im Verein
ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V.                          Grünwald, 27.09.2006