Vorwort zum Magazin 2

IN EIGENER SACHE

„Die Wahrheit war schon immer unangenehm – oder besonders schmerzlich ...“

Das trifft vor allem auf unser Schwerpunktthema „Unfälle mit Elefanten in Zoos“ in diesem Elefanten-Magazin zu. Doch bevor wir uns dieser deprimierenden Wahrheit über die Elefantenhaltung zuwenden, dürfen wir uns für die Reaktion unserer Leser zur 1. Ausgabe des Elefanten-Magazins bedanken. Mit Ausnahme von Zoodirektor Dr. Schürer, Zoo Wuppertal, der brieflich sein Missfallen über unsere Kritik am „Elefanten-Kerker“ im Zoo Moskau sowie über unsere Meinung zum „Säugetiergutachten 1996“ zum Ausdruck brachte, erhielten wir eine uneingeschränkt positive Resonanz. Wir werden uns bemühen, dieser Zustimmung auch in den folgenden Ausgaben gerecht zu werden.

Der Umfang dieses Elefanten-Magazins wurde aus aktuellem Anlass um 4 Seiten erweitert. Deshalb mussten wir aus finanziellen Gründen auf farbige Abbildungen im Innenteil verzichten. Wir bitten um Verständnis. Farbiger wird es wieder in der nächsten Ausgabe.

Den untragbaren, noch gültigen Vorgaben aus dem „Säugetiergutachten 1996“ für die Elefantenhaltung haben wir die vorletzte Seite in dieser Ausgabe eingeräumt.

„Unfälle mit Elefanten in Zoos“ zu dokumentieren, ist unbequem – für die Zoos – und schmerzlich für die Betroffenen – Mensch und Elefant. Es ist jedoch unumgänglich, dieses Thema in den Mittelpunkt zu stellen, da die meisten wissenschaftlich geleiteten Zoos die negativen Erfahrungen aus 150 Jahren Elefantenhaltung immer noch ignorieren. Längst müssten Zoos sich dazu bekennen, dass nur eine Modifizierung der bestehenden Haltungssysteme und –einrichtungen zur Lösung der Probleme beitragen kann. Ansonsten wäre der Verzicht auf die Elefantenhaltung in zahlreichen Zoos unausweichlich.

Kommen wir zum Thema „Fachkompetenz“: Zoodirektoren oder deren Stellvertreter haben mehrfach anklingen lassen, dass „Diskussion und Kritik oft von Theoretikern ohne praktische Erfahrung ausgeht“ oder aus einem „emotionalen Blickwinkel“ betrachtet wird. Damit sollte ohne Zweifel zum Ausdruck gebracht werden, dass nur die Wissenschaft ein Recht hat, sich zu äußern – oder auch nicht.

Betrachten wir aber objektiv die Elefantenhaltung in Zoos, so steht das Wort „Wissen“ fast ausschließlich für die Erfahrungen der Elefantenpfleger im Umgang mit den Grauen Riesen.

Dieses Wissen der Pfleger und ihre Erfahrungen sind die Basis für unsere Dokumentationen. Allerdings ergänzt durch eine 30-jährige, eigenständige Recherche und Beobachtung der Elefantenhaltung in Zoo und Circus. So ausgerüstet, haben wir die ersten umfassenden Dokumentationen über die Elefantenhaltung in Zoo und Circus erstellt, erstmals zusammenfassende, fundierte Bestands- und Geburtslisten von Elefanten in Gefangenschaft erarbeitet, erstmals zusammenfassend Alter, Wachstum und frühe Geschlechtsreife (Zucht) dokumentiert. Wir haben eigenständig Elefanten- und Artenschutz-Ausstellungen konzipiert und nicht zuletzt haben wir bereits vor 20 Jahren umsetzbare Pläne für eine „Elefantenhaltung ohne Ketten“ in Zoos vorgestellt. Wer wissen will, welcher Elefant in welchem Zoo in Europa lebt oder gelebt hat, wann er gestorben ist etc., ist angewiesen auf das einzigartige Archiv der European Elephant Group (Georg Schweiger). Von Zoos wurde dieses Wissen nicht selten in Anspruch genommen. Wir sehen darin einen wichtigen Beitrag zur Elefantenforschung, jedoch beschränkt auf die Problematik der Elefanten in Menschenhand.

Wir arbeiten nicht mit emotionalen Vorwürfen, wir belegen unsere Kritik mit Fakten – auch in dieser Ausgabe über die Unfälle mit Elefanten und das fehlende Sicherheits-Konzept in Zoos. Das Übel abschaffen, heißt zuerst, die Ursachen für das Übel zu erforschen. Diesen im Prinzip wissenschaftlichen Auftrag haben die Zoos seit über 100 Jahren nicht erfüllt.

ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V.
Für den Vorstand
Dr. Sybille Quandt, Alexander Haufellner, Jürgen Schilfarth