Schließen sich die Sicherheit von Elefantenpflegern und das Wohl der Tiere gegenseitig aus?

Stellungnahme von „Elefanten-Schutz Europa e.V.“ zu den Aussagen des Dresdner Zoodirektors Karl-Heinz Ukena über den Angriff des 4jährigen Elefantenbullen Thabo-Umasai gegen 2 Tierpfleger 

  1. Im Interview mit der sz-online vom 09.04.2010 äußert Zoodirektor Karl-Heinz Ukena,  Dresden hätte das Haltungskonzept des Direkten Pflegerkontaktes gewählt, weil hier das Wohl der Elefanten im Vordergrund stehen würde. 
    Wie Herr Ukena richtig erklärt hat, gibt es grundsätzlich zwei Methoden des Umgangs mit Elefanten – direkt am Tier oder durch eine Schutzbarriere hindurch. Doch wesentliche Fakten zu beiden Haltungssystemen ließ er – wohlweislich – unerwähnt: In Zoos und Safariparks kamen nach den Recherchen unseres Vereins über einen Zeitraum von 20 Jahren (1982 – 2002) ca. 40 Tierpfleger durch Elefanten im direkten Kontakt zu Tode, 70% davon durch Elefantenkühe. Mehr als 50 weitere Menschen erlitten dabei z. T. schwere Verletzungen – und diese Unfallserie setzte sich in den vergangenen 7 Jahren fort, betroffen davon waren auch deutsche Zoos. 

Eine der wesentlichen Ursachen: Der Pfleger muss sich als Herdenchef behaupten, sich mit Dominanz und Training neben Zuwendung und Belohnung durchsetzen. In den letzten Jahren änderten bereits so viele Zoos das gefährliche traditionelle Konzept, dass heute europaweit nur noch weniger als 40 v. H. Elefanten ungeschützt gepflegt werden. Darunter sind auch namhafte Zoos mit großen, z. T. gut züchtenden Herden wie bei Asiatischen Elefanten in Köln oder bei den Afrikanischen Elefanten im Tierpark Berlin. Herr Ukena unterstellt mit seiner Aussage Zooleitungen und Pflegern dieser Einrichtungen indirekt, das Wohl ihrer Rüsseltiere nicht in den Vordergrund zu stellen.

  1. Laut Herrn Ukena soll die medizinische Versorgung ohne direkten Kontakt erschwert sein.

Da im geschützten Kontakt nicht nur die normalen Pflegemaßnahmen, sondern auch unangenehme Blutentnahmen oder sogar schmerzhafte Zahnbehandlungen möglich sind, ohne Druck auf die Elefanten ausüben zu müssen, entbehrt diese Behauptung jeglicher Grundlage. 

  1. Auch die Aussage, Elefanten im Zoo könnten nur im direkten Kontakt vom Pfleger intensiv beschäftigt und fit gehalten werden, ist falsch.
    Zur modernen Elefantenhaltung gehört, Elefantenkühen auch in Menschenhand die Möglichkeit zu geben, Kälber aufzuziehen und natürliche Familienverbände aufzubauen – DANN erst sind sie richtig „art- und tiergerecht“ beschäftigt! Diese Möglichkeit wird den 3 Kühen des Dresdner Zoos nicht nur für die Zukunft vorenthalten, die Beschäftigung mit ihrem einzigen Jungtier – Thabo-Umasai – wird ihnen sogar noch viel zu früh genommen! Im ergänzenden medizinischen Training kann auch ohne direkten Kontakt zu den Elefanten eventueller Langeweile vorgebeugt werden, getreu dem Motto: Soviel wie nötig, nicht: soviel wie möglich. Dabei können engagierte Pfleger den intelligenten Riesen ohne jeden Behauptungszwang alles beibringen, was zu deren körperlicher und geistiger Gesunderhaltung nötig ist. Auch die Intelligenz großer Menschenaffen z.B. wird nicht durch Beschäftigung im direkten Kontakt und unter Dominanz der Betreuer gefördert. Dafür sind sie zu gefährlich, das weiß man auch im Zoo Dresden….

 

  1. Wenn Herr Ukena äußert, dass schon früh geplant war, Thabo mit etwa 4 Jahren zu veräußern, stellt er seine eigene Behauptung, das Wohl der Elefanten stehe im Vordergrund, ad absurdum: Der Publikumsliebling ist immer noch ein Baby, das der Fürsorge seiner Mutter und Familie bedarf. Wilde Jungbullen lösen sich frühestens mit 8 – 10 Jahren allmählich von ihrer Familie, voll erwachsen sind sie erst mit 25 – 30 Jahren.
    Zu planen, einen Vierjährigen abzugeben, zeugt von Unkenntnis oder Ignoranz gegenüber den
    artgemäßen Bedürfnissen seiner Tiere. 

Fazit: Elefanten ohne direkten Kontakt zum Menschen zu pflegen, bedeutet keine Verringerung der Lebensqualität für die betreffenden Tiere. Es bedeutet vielmehr, auf die artgemäßen Bedürfnisse der größten Zoobewohner angemessen zu reagieren, reduziert bei ihnen sogar Stress, da die Notwendigkeit entfällt, sich dem Menschen unterordnen zu müssen. Zudem bietet es den Elefantenpflegern die Möglichkeit, ihre Schützlinge relativ gefahrlos versorgen zu können, ohne dass ihre Familien ständig um Leib und Leben der Betreffenden bangen müssen. Das mittlerweile erprobte und vielfach bewährte Haltungssystem ohne direkten Pflegerkontakt kann also beides – Sicherheit für die Belegschaft und höchstes Pflegeniveau für die rüsseltragenden Bewohner gewährleisten. Einem wissenschaftlich geleiteten Zoo wie Dresden stünde beides gut zu Gesicht. 

Verein Elefanten-Schutz Europa e.V. 

Für den Vorstand:
Olaf Töffels
stv. Vorsitzender