November 2012

Elefantenkuh „Tania“ im Zoo Targu Mures/Rumänien und die Problematik mit älteren Elefantenkühen im EEP

Abb. Tania (li) und Khaing Soe Soe noch in Terra Natura, Benidorm / ESP

Seit September 2012 lebt die ca. 37-jährige Asiatische Elefantenkuh „Tania“ in der neuen Elefantenanlage des rumänischen Zoo Targu Mures. In der rumänischen Presse sind im Oktober Sorgen laut geworden, „Tania“ würde unter Einsamkeit leiden. http://bucharestherald.com/dailyevents/41-dailyevents/37509-she-suffers-from-loneliness-tania-the-only-elephant-from-a-romanian-zoo-who-tried-to-escape-

„Tania“ wurde 1975 wild geboren und lebte nach ihrem Import nach Europa bis 2004 alleine in einer winzigen Anlage im Zoo Plaisance du Touch nahe Toulouse. 2004 wurde sie an den neu eröffneten Park Terra Natura nahe Benidorm abgegeben, wo sie zum ersten Mal seit fast 30 Jahren wieder auf Artgenossen traf. Obwohl sich „Tania“ als schwieriger Elefant entpuppte, fand sie in Terra Natura guten Anschluss an die beiden Kühe „Petita“ und „Khaing Soe Soe“. Dennoch musste „Tania“ 2009 allein in den französischen Zoo La Barben umziehen, als Terra Natura aus finanziellen Gründen den Elefantenbestand drastisch reduzierte und alle Tiere ohne Zuchtaussicht abgab. In La Barben scheiterte allerdings die Vergesellschaftung mit der Kuh „Dora“, so dass „Tania“ schon 2011 nach Italien in den Zoo Bergamo weiterreiste; aber auch in Bergamo klappte die Zusammenführung mit der ihr zugedachten Artgenossin „Rupa“ nicht. In Targu Mures steht „Tania“ nun allein; wann und ob sie wieder auf Artgenossen treffen wird und ob der nächste Vergesellschaftungsversuch besser laufen wird, ist unklar.

„Tania“ ist ein sehr trauriges Beispiel dafür, dass die europäischen Zoos und das EEP für ältere, nicht züchtende Kühe oft keine Lösung anbieten können, die den Tieren ein tiergerechtes Leben ermöglichen würden. Elefantenkühe über 25 sind meist dominant und notorisch schwierig zu vergesellschaften. Ob zwei Tiere, die das EEP „füreinander bestimmt“ hat, miteinander auskommen werden, ist fast unmöglich vorherzusagen und muss ausprobiert werden. Wenn mehrere Artgenossinnen zur Auswahl stehen, sind die Chancen allerdings nicht schlecht, auch für dominante und schwierige Kühe  eine Partnerin zu finden. Leider entschließen sich Zoos wo immer möglich nahezu ausnahmslos, für eine Zuchtgruppe zu planen. Deshalb existieren keine größeren Elefantenanlagen, in denen ältere, zuchtunfähige Weibchen in Gruppen von 4 und mehr Tieren gehalten werden können, ohne reglementiert zu werden. Meist ist nur ein Außengehege vorhanden und die Kapazität reicht nur für 2 - 3  Tiere. Unter solchen Bedingungen muss eine Elefantin, die sich als unverträglich entpuppt - und das ist oft der Fall – sehr bald wieder umziehen, und zwar ohne dass es eine Garantie dafür gibt, dass die nächste Kandidatin mit der vorhandenen Kuh besser harmoniert.  Auf diese Weise produziert man „Problemtiere“, die innerhalb weniger Jahre eine Odyssee durch mehrere Zoos mitmachen müssen und die das nirgends finden, was Elefantenkühe für ein artgerechtes Leben so dringend brauchen: Stabilität und Sozialpartnerinnen.

Die wenigen EAZA- Zoos, die für nichtzüchtende Kühe günstigere Bedingungen für Vergesellschaftungen bieten (z.B. Belfast/Großbritannien) sind voll besetzt. In den USA stehen für solche Kühe beider Arten Plätze in den Sanctuaries in Tennessee (www.elephants.com) und Kalifornien (www.pawsweb.org) zur Verfügung. Leider sind US-amerikanische Zoos derzeit aus politischen Gründen sehr zurückhaltend, ihre Tiere dorthin abzugeben. Auch in Europa wäre eine Auffangstation, die neben Zirkuselefanten schwer zu vergesellschaftende, einsame Elefantenkühe aus Zoos aufnehmen könnte, dringend erforderlich, um weiteren Elefantinnen das Schicksal von „Tania“ zu ersparen. Elefanten-Schutz-Europa weist schon seit vielen Jahren auf den Bedarf für eine solche Station hin. Das belgische Tierpflegerpaar Tony Verhulst (Elefantenpfleger in Planckendael) und Sofie Goetghebeur hat nun gemeinsam mit einem niederländischen Ehepaar Pläne für die Elefanten-Auffangstation „Elephant Haven“, die aus klimatischen Gründen in Frankreich gebaut werden soll, entwickelt: www.elephanthaven.com.

Auf unserer Jahreshauptversammlung im Oktober 2012 haben Tony Verhulst und Sofie Goetghebeur ihre Pläne vorgestellt. Elefanten-Schutz-Europa wünscht ihnen allen Erfolg und wird das Projekt nach Kräften unterstützen, sobald die Pläne konkreter sind.

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