Januar 2010

Hilfe für "Mausi"

Seit langem war unserem Verein die Elefantenkuh „Mausi“ des erst Ende der 1990er Jahre gegründeten Circus Voyage bekannt. Ihr Schicksal kann durchaus als beispielgebend für andere Vertreter ihrer Art in kommerzieller Nutzung angesehen werden

„Mausis“ Leben
Die Afrikanerin wurde etwa einjährig nach Europa importiert, wie alle ihre Artgenossen im Circus. Sie wies die für fast alle Elefanten mit ihrer Lebens- und Leidensgeschichte typische Kleinwüchsigkeit auf und zeigte Verhaltensstörungen (das so genannte „Weben“).
Selbst für Laien unübersehbar war aber ihre massive körperliche Behinderung während der letzten Lebensjahre – schwere Arthrose in den Hinterbeinen, rechtes Hinterbein steif, Untergewicht. Seit Ende 2008 durfte die Afrikanerin deshalb nicht mehr in der Manege vorgeführt werden, stand beschäftigungslos im Circus. „Mausi“ wurde somit nicht einmal im Sinne der untragbaren Circusleitlinien „täglich verhaltensgerecht beschäftigt“ und erlitt als chronisch krankes Tier fortdauernde Schmerzen und Leiden aufgrund ihrer Mitführung im Reisebetrieb. Zudem war der Elefant seit dem Tod ihrer einzigen engen Sozialpartnerin „Anja“ vor vier Jahren ohne sozialen Anschluss in der Voyage-Elefantenherde – unter Elefanten und doch allein.

Hilfe wird nicht zugelassen
Unser Verein ließ acht Jahre lang nichts unversucht, bei den zuständigen Veterinärämtern Verständnis für diese – eigentlich nicht zu übersehenden – Leiden des Tieres zu wecken. Schon 2007 bestand eine Abgabeverfügung für „Mausi“ , damals noch gemeinsam mit ihrer einzigen, ebenfalls gesundheitlich angeschlagenen Sozialpartnerin „Anja“, doch an keinem der mehr als 30 Gastspielorte pro Jahr sahen sich die jeweiligen Amtstierärzte aufgerufen oder in der Lage, tätig zu werden. „Keine Beanstandungen“ lautete stattdessen zumeist das Urteil.
Dabei hätte die Summe der oben geschilderten Zustände ausreichen müssen, um jedes einzelne Veterinäramt zum Handeln zu zwingen, auch ohne das noch in weiter Ferne befindliche gesetzliche Wildtierverbot in Circussen. Als Garanten des Tierschutzes wären sie verpflichtet gewesen, einen chronisch kranken Elefanten aus einer tierquälerischen in eine tiergerechte Lebenssituation zu überführen, so wie sie es bundesweit z.B. Monat für Monat im Bedarfsfall etlichen Haustieren in vergleichbarer Situation zuteil werden lassen.

Gemeinsam mit der Berliner Initiative für ein Wildtierverbot in Zirkussen versuchten die Vertreter von ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V., zur Jahreswende 2009/2010 das Bezirksamt Charlottenburg - Wilmersdorf von Berlin bei dem Vorhaben zu unterstützen, „Mausi“ einen tiergerechten Lebensabend in einem guten Zoo zu ermöglichen:
Doch statt „Mausi“ auf der oben genannten Grundlage einzuziehen, konnte auch die Veterinär- und Lebensmittelaufsicht Charlottenburg - Wilmersdorf keine Gründe zur Beanstandung von „Mausis“ Haltung erkennen. Statt klarzustellen, dass ein chronisch krankes, nicht einmal mehr zur Vorführung geeignetes Tier keinesfalls mehr zur Mitführung im Reisebetrieb geeignet ist, wurde als letzter Ausweg, um trotz erdrückender Beweislast nicht vollziehen zu müssen, ein circusnaher Sachverständiger gefunden. Dieser sollte klären, ob ein weiterer Verbleib der schwer angeschlagenen Elefantenkuh im Circus noch tragbar sei und so fand auch er Gründe, nach denen „Mausi“ angeblich in einem guten Zoo eine weniger positive Zukunft zu erwarten hätte als in ihrer bisherigen Lebenssituation: Bessere Pflege als beim Circus Voyage könne sie lt. Aussage kaum erhalten, zudem sei die Afrikanerin seiner Meinung nach in der „stabilen“ Voyage-Herde so gut integriert, dass eine Herauslösung trotz aller körperlichen Beschwerden nicht zu empfehlen sei.

Heutzutage argumentieren nur noch Sachverständige ohne Wissen um die Freilandethologie der Rüsseltiere aus diesem Blickwinkel des vorigen Jahrhunderts. Der besagte Gutachter ist, trotz 30jähriger tierärztlicher Tätigkeit im Zoo Berlin bis 2002, aber ohne eigene Freilanderfahrung mit Elefanten, nach eigenen Aussagen ein erwiesener Circusfreund und Verfechter der Wildtierhaltung in Circussen. Rund 80 Prozent des momentanen Wissens über die intelligenten Riesen der Tierwelt sind aber erst in den letzten zehn bis 15 Jahren ermittelt worden, vor allem im Zuge der Feldforschung.

Frau Dr. Marion E. Garaї hat soviel Erfahrung mit wildlebenden Afrikanischen Elefanten wie nur wenige andere Wissenschaftler weltweit. Die promovierte Zoologin hat zudem jahrelang das Verhalten von Elefanten in Menschenhand studiert. Ihre Untersuchungen fanden in Circussen und Zoos wie Zürich und Berlin, in der Pinnawela Orphanage auf Sri Lanka oder auch an Waisen der legalisierten „culling“-Abschüsse im Süden Afrikas statt und setzen Freiland- und Gefangenschaftserkenntnisse zueinander in Beziehung.
Ihre Expertise zur Afrikanerkuh „Mausi“ vom Circus Voyage ist auf unserer Homepage wiedergegeben und skizziert ein ebenso eindrucksvolles wie erschütterndes Bild der Haltungsumstände dieses Elefanten, vor denen Amtstierärzte bundesweit nach wie vor ihre Augen verschließen.