Archiv Zoo

März 2016

Nordamerikanische Zoos importieren 17 Afrikanische Elefanten zur Bestandsaufstockung, ohne Gerichtsbeschluss abzuwarten

Im März 2016 wurde bekannt, dass der Zoo Dallas, der Sedgwick County Zoo in Wichita, Kansas sowie  der Henry Doorly Zoo in Omaha, Nebraska trotz weltweiter Proteste von Tierschützern und namhaften Elefantenforschern 17 Elefanten, die zwischen 6 und 25 Jahre alt sein sollen, aus einem privaten Reservat in Swasiland importiert haben. http://news.nationalgeographic.com/2016/03/160309-swaziland-zoos-african-elephants-transfer/

Obwohl für Mitte März ein Gerichtstermin anberaumt und somit noch keine Entscheidung bzgl. der Importgenehmigung gefallen war, schufen die Zoos Anfang des Monats Fakten. Die 17 Elefanten - ein Weibchen war bereits in der Eingewöhnungsphase verstorben - wurden sediert und in Transportkisten verpackt. Die US-Gerichte wurden dann mit dem Hinweis konfrontiert, dass ein nochmaliges Ausladen und neuerliches Vorbereiten für einen Transport nach dem geplanten Gerichtstermin für die Elefanten lebensbedrohlich sei. Um das Tierwohl nicht noch mehr zu gefährden, sahen die Behörden daraufhin von einer Intervention ab, die Tiere gelangten anschließend mit dem Flugzeug in die USA.

Unser Verein und insbesondere der wissenschaftliche Beirat sehen den gesamten Vorgang aus mehreren Gründen kritisch:

  • 1. Die Gerichtsentscheidung hätte in jedem Fall abgewartet werden müssen.

 

  • 2. Es wurden keine vollständigen Familiengruppen exportiert, so dass neben den ohnehin zerrissenen Bindungen zwischen exportierten und zurückbleibenden Elefanten auch die Sozialstruktur innerhalb der Exportgruppen unzureichend ist. Die traumatischen  und u.U. lebenslang andauernden Folgen solcher Aktionen für Elefanten sind bekannt und im Sinne des Tierwohls abzulehnen.

 

  • 3.Die Natur im Herkunftsgebiet wird aufgrund solch geringer Bestandsverringerungen, welche dazu noch vorrangig juvenile Elefanten betrifft, kurzfristig kaum und langfristig überhaupt nicht entlastet. Bereits 2003 importierten drei US-Zoos 11 Elefanten aus Swaziland aufgrund einer angeblichen Überpopulation. Dass es bereits 12 Jahre später erneut zu viele Elefanten geben soll, zeigt, wie wirkungslos kurzfristige Bestandsverringerungen sind.

 

  • 4. Das Elefantenmanagement in den Naturparks in Swaziland ist hochgradig fragwürdig. Die Elefanten leben dort in eingezäunten Gehegen, die nur einen kleinen Teil der Gesamtfläche der Parks ausmachen. Elefanten gehören zur Afrikanischen Savanne dazu und zerstören ihren Lebensraum und den anderer Tiere nicht, auch nicht im Falle von Dürreperioden. Die Probleme in Swaziland beruhen allein auf der Tatsache, dass das Parkmanagement keine natürliche Elefantenpopulation haben will, sondern aus nicht nachvollziehbaren Gründen den Elefanten nur einen kleinen Teil der Parks zur Verfügung stellt. Die natürliche und beste Lösung für die Elefanten sähe so aus, den Elefanten in Swaziland größere Flächen zu geben, um den Tieren natürliches Verhalten und Wanderungen zu ermöglichen. Auf größeren Flächen regelt sich die Populationsdichte von Elefanten von alleine.

 

  • 5. Durch den Import und die entsprechenden Fehlinformationen („Room for rhinos“) unterstützen die US-Zoos die elefantenfeindliche Management-Strategie der Big Game Parks und verbreiten in der Öffentlichkeit das biologisch falsche Bild einer Elefantenüberpopulation. Dabei ist es Unsinn, dass die Elefanten Swaziland verlassen müssen, um Platz für bedrohte Nashörner zu schaffen, denn die Elefanten bewohnen in den Parks in Swaziland sowieso nur kleine, eingezäunte Gebiete.

 

  • 6. Behauptungen, die Tiere hätten ohne Export getötet werden müssen, sind falsch. Reservate, die die 18 Swaziland-Elefanten aufgenommen hätten, waren gefunden und den Behörden bekannt gegeben worden.

 

  • 7. Der Import von 17 Elefanten reicht  nicht aus, um die nordamerikanische Zoo-Afrikanerpopulation ausreichend zu stabilisieren, zumal eine Studie (Töffels & Garaї , in Vorbereitung) gezeigt hat dass nur ein Drittel der eingeführten, ehemals wilden, Elefanten in Zoos reproduzieren. Da der Grund für das vorhersagbare Zusammenbrechen des SSP-Bestandes in fehlgeleitetem Management bzw. unzureichender Kooperationsbereitschaft zwischen den Haltern zu suchen ist, ist ein neuerlicher Import von Elefanten nicht zu verantworten:
  • Trotz eines zur Zucht günstigen Ausgangsbestandes wurden durch ungeeignete Prioritätensetzung - mangelnder Ausbau von Zuchteinrichtungen, stattdessen vermehrte Bemühungen zur künstlichen Besamung - in den letzten 20 Jahren viel zu wenig erfolgreiche Geburten erzielt.

Abgesehen von den nicht tragbaren Auswirkungen auf die Importtiere ist es eine sehr bedenkliche Entwicklung, wenn Zoos heute noch versuchen, Versäumnisse aus der Vergangenheit mit Importen aus den natürlichen Vorkommensgebieten zu kompensieren. Da die Probleme - die falsche Ausrichtung von Managementstrategien und fehlende Zusammenarbeit unter den Haltern - weiterhin bestehen, halten wir es für nicht vertretbar, auf neue Wildfänge zurückzugreifen.

Im Elefanten-Magazin 27/2015 beschäftigten wir uns ausführlich mit dem Populationsmanagement Afrikanischer Elefanten im EEP-Raum.

http://www.european-elephant-group.com/files/PDF/27_toeffels_populationsmanagement.pdf

Auch im EEP geben die Bestandsentwicklungen Afrikanischer Elefanten Anlass zur Sorge. Deshalb ist ein vergleichbares Vorhaben für europäische Zoos zukünftig nicht auszuschließen, ungeachtet der Tatsache, dass sämtliche wissenschaftlichen Quellen sich gegen neuerliche Importe von Wildfängen aussprechen..

Weitere Informationen finden Sie  auch unseren Beitrag bezüglich der Diskussionen über zukünftige Importe Afrikanischer Elefanten nach Europa im Elefanten-Magazin 27/2015 auf Seite 66.


September 2015

Zoo Halle ermöglicht Elefantenmutter und Gruppe natürlichen Lernprozess zum Geburtsablauf

In der Nacht vom 21. auf den 22.09.2015 brachte die Afrikanische Elefantenkuh "Bibi" während der ersten Gruppengeburt des Hallenser Zoos auf der Außenanlage ein weibliches Jungtier zur Welt. Unter den Geburtsschmerzen und Stress attackierte sie es unmittelbar und verletzte es mit Kopfstössen tödlich. Von der dominanten "Mafuta" abgedrängt, beruhigte sich "Bibi" aber und ihr Mutterinstinkt setzte ein. Sie versuchte nach Angaben des Zoos, das reglose Jungtier aufzurichten und wich ihm nicht von der Seite. Auch die anderen Elefanten beschnüffelten unter der Aufsicht von "Mafuta" vorsichtig das am Boden liegende Jungtier. Erst nach mehreren Stunden konnte "Bibi" in den Stall gelockt werden. 

Bemerkenswert sind daran mehrere Umstände:

- Obwohl dies für "Bibi" die vierte Geburt war, hatte sie vorher nicht ausreichend Gelegenheit, den vollständigen Lernprozess der nachgeburtlichen Annahme ihrer Neugeborenen zu durchleben. Nachdem sie bei den beiden ersten noch in Berlin geborenen Jungtieren nervös war und Anzeichen auf mögliche Aggressionen hindeuteten, wurden ihr jeweils beide Töchter weggenommen und unter Pflegeraufsicht erst nach ihrer Beruhigung wieder zugeführt. Ihr drittes Kalb - der erste in Halle geborene Elefant - wurde von ihr unangekettet in einer Box geboren, begleitet von der älteren Tochter "Panya". Doch nachdem sie dieses Neugeborene ebenfalls direkt angegriffen hatte, wurde das Baby schnellstmöglich herausgezogen, um ihm eventuell noch das Leben zu retten. Es war jedoch bereits tödlich verletzt gewesen. Bei allen drei Geburten hatte sie das Neugeborene nicht lange genug und ungestört von menschlichem Einfluss bei sich, bis trotz Geburtsschmerz und Stress die Mutter-Kind-Bindung einsetzte. Erschwert wird dieser Prozess durch ein mit hoher Wahrscheinlichkeit stark ausgeprägtes Posttraumatisches Belastungssyndrom (PTSD), welches "Bibi" als Wildfangelefant nach Mutterverlust, Fangstress etc. möglicherweise handicapt. Die notwendigen Lernprozesse waren ihr erst bei der jüngsten Geburt möglich und haben nach Einschätzung der Beobachter auch stattgefunden.

- Erfreulich ist auch die während der Geburt beobachtete gute Gruppendynamik. Obwohl sich die weiblichen Mitglieder der Hallenser Herde bereits aus Berlin kennen und in Halle weitgehend gut arrangiert haben, sind die Bindungen zwischen den nicht verwandten Kühen nicht so eng wie innerhalb gewachsener Familiengruppen. Trotzdem hat die dominante "Mafuta" in der Geburtssituation instinktiv richtig gehandelt und "Bibi" bis zur Beruhigung abgedrängt, wenn auch leider nicht rechtzeitig, um das Leben des Neugeborenen zu retten. Da "Mafuta" bisher wenig Interesse an Jungtieren gezeigt hat, verwundert ihr Engagement selbst Personen, die sie bereits lange kennen, aufs positivste. Ein situationsangepaßt guter Zusammenhalt selbst zwischen nicht gut befreundeten Kühen ist auch andernorts in der Ausnahmesituation von geplanten und auch ungeplanten Geburten in der Gruppe beobachtet worden (z.B. bei Hagenbeck, in Berlin oder kürzlich in Leipzig). Dies ist jedoch meist auf die unmittelbare geburtliche und nachgeburtliche Phase beschränkt und nicht unbedingt mit einem dauerhaften Zusammenwachsen der Herde gleichbedeutend.

- Besonders positiv ist die Einstellung der Verantwortlichen im Hallenser Zoo hervorzuheben. Nachdem ursprünglich bereits eine Gruppengeburt geplant war, gab es zuletzt Überlegungen, das Überleben des Neugeborenen unter allen Umständen zu priorisieren und dafür "Bibi" zur Geburt abzutrennen, um das Jungtier sofort aus ihrem Einflussbereich ziehen zu können. Trotzdem hat man sich in Halle zur Gruppengeburt entschlossen und damit Kritik sowohl konservativer Elefantenzüchter als auch undifferenzierter Zoogegner in Kauf genommen.

Elefanten-Schutz Europa begrüßt sowohl diese Entscheidung als auch die Ankündigung, die weiteren anstehenden Geburten in der Gruppe stattfinden zu lassen. Dies hat dem Muttertier "Bibi" bei ihrer vierten Geburt ermöglicht, den Prozess von Geburt und Akzeptanz ihrer eigenen Neugeborenen zu begreifen, was sonst natürlicherweise bei Erstgebärenden stattfindet und keinesfalls immer problemlos abläuft. Die Chancen, dass "Bibi" zukünftige Jungtiere nicht mehr attackiert sondern annimmt und aufzieht, sind damit enorm gewachsen. Gleichermaßen hatten alle anderen Hallenser Kühe viel Gelegenheit zum Lernen, was die Aufzuchtchancen bei den zu erwartenden Geburten deutlich erhöht.

Die Entscheidung zur Gruppengeburt bei "Bibi"  ist aus unserer Sicht ein Beispiel für zeitgemäßes und zukunftsorientiertes Wildtiermanagement eines Zoologischen Gartens. Der Bergzoo Halle hat zwar einen neugeborenen Elefanten verloren, aber dadurch seine Chancen für erfolgreiche Aufzuchten bei den zu erwartenden Geburten gezielt, deutlich und mit Aussicht auf nachhaltigen Erfolg verbessert. So tragisch der Verlust dieses Jungtiers für alle Beteiligten ist: Elefanten-Schutz Europa wünscht dem Hallenser Zoo, dass seine Entscheidung zur Gruppengeburt bereits im kommenden Jahr von "Tana" und "Panya" belohnt wird.


Mai 2015

Tierpark München: Circus als Beschäftigung in einem wissenschaftlich geleiteten Zoo?!

Im Zuge der Berichterstattung über den bevorstehenden Umzug des vierjährigen Asiatischen Elefantenbullen „Ludwig“ vom Tierpark München-Hellabrunn in die Jungbullengruppe des Zoo Heidelberg hat der Bayrische Rundfunk folgende Fotos veröffentlicht: http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/neues-aus-dem-tierpark/tierpark-muenchen-zoo-hellabrunn-146.html

Auf Bild 6 der Fotoserie mit dem verharmlosenden Kommentar: „Die tollsten Tricks hat er drauf“ ist „Ludwig“ im Zweibeinstand zu sehen. Wie ist das Antrainieren solcher Kunststücke im 21. Jahrhundert zu bewerten?

Das Einstudieren bestimmter Übungen erfüllt grundsätzlich drei Zwecke:

1. Manche Übungen ermöglichen Pflege und Behandlung (z.B. sich in beliebigen Positionen ans Gitter stellen, Füße oder Ohren aus dem Gitter geben, Maul öffnen etc.)

2. Das Lernverhalten wird gefördert, der Elefant ist beschäftigt.

3. Im Direkten Kontakt dient das Abfordern von Übungen zusätzlich der Aufrechterhaltung der Vorrangstellung des Pflegers, was im Geschützten Kontakt völlig entfällt.


Bei allen Formen des Zweibeinstandes hingegen handelt es sich um  Circustricks, die in einem wissenschaftlich geleiteten Zoo im 21. Jahrhundert keinerlei Daseinsberechtigung haben. Kunststücke sind zur Pflege und medizinischen Versorgung weder nötig noch geeignet. Tierbeschäftigung nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten fördert stattdessen natürliches Tierverhalten. Durch mannigfaltige Enrichmentangebote lassen sich Elefanten nahezu rund um die Uhr beschäftigen und vermitteln dem Beobachter einen Eindruck ihrer natürlichen Fähigkeiten.  Kunststücke dagegen geben dem unwissenden Besucher den falschen Eindruck vom Elefanten als lustigen Clown, anstatt dessen Würde als Wildtier zu vermitteln. 

Was der Elefant davon hält, interessiert in diesem Zusammenhang nicht. Auf Bild 5 wird deutlich, dass der Elefantenpfleger im Zoo München "Ludwig" beim Vorführen  beim Vorführen seiner Übungen den Elefantenhaken präsentiert, obwohl er formal „geschützt“ auf der anderen Seite des Zauns steht. Dies ist nur dann erforderlich, wenn ein Elefant während des Trainings die Erfahrung machen musste, dass der Haken zum Durchsetzen der Forderungen des Pflegers (notfalls) auch angewendet wird. Pro forma wird durch den trennenden Zaun zwar Geschützter Kontakt mit dem Jungbullen praktiziert. Doch mit der Philosophie dieses Haltungssystems, das ausschließlich auf Freiwilligkeit und positiver Bestärkung beruht, hat das rein gar nichts zu tun.  Zeitgemäßes Elefantentraining kommt ohne solche Dominanzbekundungen aus. Es ist schade, dass den Verantwortlichen im Münchner Tierpark offenbar die Ideen fehlen, ihre Elefanten statt durch überholte Kunststückchen mit modernen, längst erprobten Methoden verhaltensgerecht zu beschäftigen.

Für „Ludwig“ wird der „Circus“ mit seinem Umzug nach Heidelberg in wenigen Tagen glücklicherweise ein Ende haben, denn die Elefantenpfleger in Heidelberg verzichten auf Elefantenhaken, Dominanztraining und Circustricks. Die vier Elefantenkühe im Zoo München hingegen sind leider weiter den traditionellen Trainingsmethoden ausgesetzt.


April 2015

Beekse Bergen, NL: Neue Freilaufhalle und Übernahme einer Familiengruppe

Zuzüglich zu der großen Außenanlage steht den Elefanten im Safaripark Beekse Bergen seit dem Frühjahr 2015 eine Freilaufhalle als Erweiterung des bisherigen Kuhtraktes zur Verfügung.  Sie wurde seit Herbst 2014 in nur wenigen Monaten Bauzeit an den existierenden Elefanten-Kuhstall angebaut, wobei die bisherigen fünf Boxen erhalten blieben. Die Halle bietet eine Indoor-Lauffläche von 450 m² und ist mit Sandboden, Scheuerbäumen und Enrichment ausgestattet.

Damit hat das Unternehmen Libema schon zum 2. Mal gezeigt, dass tiergerechtes, für Besucher attraktives und preisgünstiges Bauen für Elefanten einander nicht ausschließen: Im August 2014 wurde im ebenfalls von Libema betrieben Zoo „Dierenrijk“ in Nuenen (bei Eindhoven) eine Freilaufhalle gleicher Bauart, ebenfalls mit Sandboden, als Anbau an den bestehenden Stall mit drei Boxen eingeweiht. Auch diese Halle wurde in einer Bauzeit von nur wenigen Monaten preisgünstig errichtet. Es ist sehr schade, dass in deutschen Zoos eine Mentalität vorherrscht, die derartige Zweckbauten für Elefanten undenkbar macht und stattdessen Elefantenhäuser in Massivbauweise erfordert, die Millionen Euro kosten. Bei Verzicht auf „Prestigebauten“ könnten einige deutsche Zoos nach dem Vorbild der Libema-Tiergärten die Lebensbedingungen für ihre Elefanten zeitnah massiv verbessern bzw. neue, moderne Elefantenanlagen schaffen.

Freilaufhalle und Außengehege kommen inzwischen auch der ehemaligen Wuppertaler Zuchtkuh „Punda“ und ihren drei Nachkommen, den Töchtern „Bongi“ und „Pina“ (geb. 2005 und 2013) sowie  Sohn „Shawu“ (geb. 2011), zugute. Der im November 2014 angekündigte Umzug der kompletten Familiengruppe fand Ende März 2015 wie geplant statt und verlief glücklicherweise problemlos. Durch den Transfer hat der erprobte Zuchtbulle „Calimero“ mit Mutter „Punda“ und ihren Töchtern endlich geeignete Elefantenkühe zur Zucht und die bereits geschlechtsreife „Bongi“ einen unverwandten Bullen zur Verfügung. Für das Zuchtprogramm Afrikanischer Elefanten, dessen Tätigkeit in den letzten Jahren geprägt ist von Misserfolgen und Untätigkeit, ist das eine hoffnungsvolle Nachricht. Zudem werden „Punda“ und ihre Kälber jetzt im Geschützten Kontakt gehalten, so dass ihnen das harte Training nach Circusmanier, das im Zoo Wuppertal leider immer noch praktiziert wird, in Zukunft erspart bleibt.


06.03. 2015: Nach Besichtigungstermin: Pläne für Karlsruhe wurden verändert
 

Am 11.02.2015 reisten Vertreter des Berliner Tierparks sowie Vertreter der EAZA-Expertenkommission einschl. des EEP-Koordinators für Asiatische Elefanten nach Karlsruhe, um sich ein Bild von der Karlsruher Elefantenhaltung zu verschaffen. Ungewöhnlich spät, erst nach fünf Tagen, erschienen Bekanntmachungen der Pressestelle der Stadt Karlsruhe über Ergebnisse dieses Lokaltermins. Obwohl diese Meldungen - wie alle vorherigen - die Karlsruher Elefantenhaltung ausgesprochen positiv darstellen, lässt sich zwischen den Zeilen herauslesen, dass Zoo und Stadt Karlsruhe von ihren bisherigen Plänen teils deutlich Abstand nehmen mussten. Dies zeigt sich bei Gegenüberstellung der veröffentlichten Planungen vor und nach dem Besichtigungstermin eindrucksvoll.

Vorbereitung auf die neuen Elefanten

Vorher: Zoo und Stadt Karlsruhe haben immer betont, bestens gerüstet zu sein für die Übernahme neuer Elefanten. Umbaubedarf wurde auch auf Nachfrage immer negiert. Es wurde beständig auf die große "Erfahrung bei der Integration neuer Elefanten" verwiesen.

Nachher: „Der Fachaustausch der Elefantenexperten ist für uns eine Bestätigung unserer guten Elefantenhaltung“, so Dr. Becker: „Über die in jüngerer Zeit bereits erfolgten Anpassungen der alten Anlage für eine Altersresidenz für Elefanten hinaus werden wir das Know-how unseres Elefanten-Pflegerteams weiterhin in die Optimierung der Elefantenhaltung stecken - auch über den Erfahrungsaustausch mit den Berliner Kollegen“, so zitiert die Presseinformation den kommissarischen Direktor Dr. Clemens Becker. Die besagten "erfolgten Anpassungen" sind erst in den letzten Wochen erfolgt. Sie beziehen sich nicht nur auf die nun stabil mit Zwischenpfosten ausgeführte Trennung der nur etwas über 1.000 m² kleinen Außenanlage und die mögliche Trennung des neuen Anbaus in mehrere Abteilungen mit Stahlseilen. Weiterhin wurde nun auch das Tor zwischen Anbau und Vorgehege elektrisch und von außen bedienbar  umgebaut. Dass nun begonnen wurde entsprechend nachzurüsten, deckt sich mit entsprechenden Forderungen von Elefanten-Schutz Europa seit der Umbauphase nach dem Brand 2010. Gerade die Schaffung solcher Einrichtungen, welche die Betreuung unzuverlässiger Elefanten ohne Direkten Pflegerkontakt ermöglichen, wurde von Karlsruher Seite auf Nachfrage immer als für das alte Haus nicht notwendig abgelehnt.

Trotz der immer wiederholten "großen Erfahrung" bei der Integration wurden der Presse zufolge weitere Treffen der Berliner und Karlsruher Elefantenpfleger vereinbart, welche von Karlsruhe während der vormaligen Planungsstände nie als notwendig avisiert wurden. Doch seinerzeit hatte der Zoo sich auch nur um die Übernahme zweier braver Kühe bemüht. Die neuen Pläne fordern dagegen offenbar Weiterbildungen der Karlsruher Pfleger, was wohl auch dadurch bedingt ist, dass nun ein Tier aufzunehmen ist, welches den Karlsruher Verhältnissen nicht ohne weiteres angepasst werden kann.

Elefanten für Karlsruhe

Vorher: 2 Kühe - "Astra" und "Louise". Betont wurde stets explizit, dass die Pfleger sich bereits in Berlin mit den Charakteren der dortigen Elefanten vertraut gemacht und als geeignete Neu-Karlsruherinnen "Louise" und "Astra" identifiziert haben.

Nachher: 3 Kühe - "Astra", "Louise" und "Frosja"

Nur auf den ersten Blick macht Karlsruhe durch den Erhalt von mehr Elefanten einen besseren Schnitt. Fakt ist, dass Karlsruhe bereits zu Beginn der Verhandlungen gebeten wurde, die mit "Louise" befreundete "Frosja" zu übernehmen, dies jedoch bisher immer ablehnte. Der Grund: "Frosja" hat in Berlin bereits Pfleger verletzt und die Verantwortlichen in Karlsruhe befürchteten negative Schlagzeilen, falls dieses Tier auch in Karlsruhe Probleme im Direkten Kontakt verursachen sollte. Karlsruhe lehnte bauliche Veränderungen für eine Haltung ohne Direkten Pflegerkontakt bisher ab.

Es ist davon auszugehen, dass die Abgabe von Elefanten aus Berlin entgegen der Karlsruher Vorstellungen an eine Übernahme von "Frosja" gekoppelt wurde. Da die enge Freundschaft von "Louise" und "Frosja" seit fast zwei Jahrzehnten besteht, plädiert Elefanten-Schutz Europa seit Bekanntwerden der Transferpläne dafür, diese beiden Weibchen nur gemeinsam umzusiedeln.

Zeitpunkt der Übernahme

Vorher: Ankunft der Berliner Elefanten wurde aus Karlsruhe mit "Anfang 2015" annonciert, unabhängig von den Entwicklungen im derzeitigen Karlsruher Elefantenbestand.

Nachher: Kein konkreter Zeitplan mehr, Ankunft der Elefanten frühestens, nachdem eine der beiden greisen Karlsruher Kühe verstorben ist. Offenbar wird von den Entscheidungsträgern eine vorherige Übernahme weiterer Elefanten doch als Gefährdung für das Wohl der beiden ältesten Karlsruher Kühe gewertet. Die in der Karlsruher Presse verbreitete Version, dass sich der Umbau des Berliner Elefantenhauses (unerwartet) verzögert und deshalb die Abgabe der dortigen Elefanten nicht mehr ganz so drängend sei, ist unrichtig - konkrete Zeitplanungen für diesen Umbau bzw. Zwänge zur Abgabe der Elefanten gab es in Berlin noch gar nicht.

Möglicherweise ist für diese Entwicklungen auch die Tatsache, dass das Karlsruher Elefantengehege  mit ca. 1.100 m² nur etwa halb so groß ist wie die Mindestvorgaben des Säugetiergutachtens es fordern zum Teil mitentscheidend. Eine Stellungnahme des Veterinäramtes zu einer entsprechenden Anfrage unseres Vereins steht noch aus.

Interessant ist, dass lt. Presse der Karlsruher Zoo diese Zeit "gut nutzen kann insbesondere für die Pflege der hochbetagten Rani", was zwangsläufig die Frage aufwirft, weshalb dieser Bedarf in den vorigen Zeitplanungen nicht als oberste Priorität eingeplant worden ist. Auch dieser Aspekt der zeitlichen Abfolge ist von Anfang an eine wesentliche Forderung von Elefanten-Schutz Europa gewesen, wurde von Karlsruher Seite bisher nicht zur Kenntnis genommen und erst nach Einbeziehung externer Fachleute entschieden.

Diese neuen Entwicklungen könnten sehr wahrscheinlich dazu führen, dass zum Zoojubiläum im Sommer 2015 nicht mehr Elefanten in der Fächerstadt gehalten werden als zu Jahresbeginn. Abgesehen von ihrem Alter erscheinen die beiden beliebten Elefanten-Seniorinnen derzeit gesundheitlich stabil. Besorgniserregend klingen dagegen eher die in der Presse immer wieder zu lesenden Bemerkungen, dass "Ranis Tod jederzeit zu erwarten" sei. Es ist jedoch zu hoffen, dass auch beim Karlsruher Zoo-Management das Interesse am Wohlergehen der "Stamm-Seniorinnen" in der postulierten "Alters-WG" höher gewertet wird als das Verlangen nach neuen Elefanten und den beiden Tieren die bestmögliche altersgerechte Pflege ohne eine Belastung durch fremde Artgenossen zuteil wird.


15.02.2015

Elefantengehege in Karlsruhe misst nur ca. 1.100 m
 

Bei allen Fragen zur Zukunft der Elefantenhaltung im Zoologischen Garten Karlsruhe gingen Medien, Veterinäramt, das städtische Zoodezernat und auch unser Verein davon aus, dass das Elefanten-Außengehege ca. 1.700 m² Gehegefläche bieten würde. Dieser Wert war in den Medien kommuniziert worden und auf Grundlage dieser Fläche wurden bisher auch die gegenwärtigen Planungen zur Aufnahme zusätzlicher Elefanten vorgenommen bzw. diskutiert.

Durch Zufall konnten nun Planzeichnungen und Luftbildaufnahmen ausgewertet werden, wodurch die Fläche nach unten korrigiert werden muss.
Demzufolge hat die Karlsruher Elefantenanlage nur eine Grundfläche von maximal 1.100 m², worin Wasserbecken und Gräben bereits einberechnet sind.
Vergleiche mit anderen Elefantenanlagen in Deutschland bestätigen dies.

Somit stehen absolut weniger als 2/3 der bisher veranschlagten Fläche zur Verfügung. Das Gehege ist somit nicht nur geringfügig kleiner als die Vorgaben des Säugetiergutachtens als Mindestgröße fordern, sondern nur etwa halb so groß.  Zum Vergleich: Die Bullenanlage des Tierparks Berlin-Friedrichsfelde, um dessen Elefanten sich der Zoo Karlsruhe gegenwärtig bemüht, misst allein 1.300 m².

Ende Januar 2015 wurden auf der Außenanlage des Karlsruher Elefantengeheges Metallpfosten gesetzt, um Vorkehrungen zu treffen, dieses Gehege dauerhaft unterteilen zu können. Offenbar ist den Verantwortlichen inzwischen klar, dass bei Übernahme der Berliner Kühe im Karlsruher Zoo keine harmonisch zusammenlebende Gruppe aufgebaut werden kann, obwohl die Fähigkeit zur Integration als ein Argument für die Beibehaltung des Direkten Kontaktes genannt wird. Eine dauerhafte Abtrennung würde jedoch bedeuten, dass in Karlsruhe Elefanten in Teilgehegen von rund 500 m² gehalten werden würden. Diese Fläche ist nur geringfügig größer als die Außenpaddocks mancher Zirkusse.

Die Zusammenführung unverwandter Elefantenkühe gelingt ohnehin nur selten erfolgreich und ist immer mit Stress verbunden. "Rani" und "Shanti" haben es mit 60 bzw. 59 Jahren verdient, einen friedlichen Lebensabend verbringen zu dürfen. Elefanten-Schutz Europa setzt sich aus Sorge um das Wohlergehen der beiden gesundheitlich angeschlagenen Elefanten-Seniorinnen deshalb dafür ein, dass neue Elefanten erst in Karlsruhe Einzug halten, wenn die beiden ältesten Kühe nicht mehr am Leben sind.

Die absoluten Flächen waren in unserer Argumentation bisher dem sozialen Raumbedarf nachgeordnet.

Doch durch die neuen Verhältnisse sind die sozialen Ausweichmöglichkeiten als deutlich geringer einzuschätzen, als sie z.B. dem Gutachten von Frau Dr. Marion Garaï zugrunde liegen. Zudem sind bei insgesamt nur wenig mehr als 1.000 m² nun auch die absoluten Flächen als ungeeignet zur Übernahme zusätzlicher Elefanten anzusehen. Unter diesen Voraussetzungen wäre eine Bestandsaufstockung auf  5 Elefanten absolut untragbar. Je Tier würden also nur rd. 200 m² vorhanden sein.

Bezüglich des Gutachtens von Frau Dr. Garaï hat das zuständige Veterinäramt die Leitung des Zoologischen Gartens Karlsruhe um eine Stellungnahme gebeten und behält sich vor, den Sachverhalt anschließend neu zu bewerten. Inzwischen sind auch von unserer Seite Amtstierärzte sowie alle weiteren Entscheidungsträger informiert worden, dass als Entscheidungsgrundlage nun von einem Gehege von nur 1.100 m² auszugehen ist.


04.02.2015

Karlsruhe - Neuerlicher Beitrag im "Kurier Karlsruhe und erneute Richtigstellung durch die EEG

Nach unserem Leserbrief an die Redaktion "Mucki" folgte am 30.01.2015 ein neuerlicher Beitrag. Zwar wird unter Einfluß von Zoodezernent Obert und kommissarischem Zoodirektor Dr. Becker die Tragweite der Elefantenunfälle in Karlsruhe weiterhin heruntergespielt und mit den in rückständigen Zoos üblichen Fehlinformationen als "Risiko, das mit Tieren immer und überall besteht" kommentiert. Immerhin hat sich die Darstellung der Intentionen unseres Vereins vom Verbreiter "faustdicker Lügen" zu einem sicherlich wohlmeinenden Verein" entwickelt.

Geradezu grotesk mutet allerdings an, dass wir in dem Beitrag indirekt angefragt werden, ob wir unsere Ideen, wie man die Elefantenhaltung im Zoo Karlsruhe denn sicherer machen könne, nicht auch weitergeben möchten. Seit fast zweieinhalb Jahren ist dies neben dem Tierwohl durchgehend unser Hauptanliegen gewesen. Die Reaktion von Zoo und Rathaus Karlsruhe auf unsere Bemühungen zur Weitergabe der - in anderen Zoologischen Gärten seit Jahrzehnten bekannten - Ideen zu mehr Sicherheit lassen sich mit zwei Worten beschreiben: "Annahme verweigert".


03.02.2015

Zoo Karlsruhe - Schriftwechsel mit Amtstierarzt Dr. Gerald Geiser

Bereits einen Tag nach Information über unsere Bedenken erreichte uns ein promptes Antwortschreiben des zuständigen Amtstierarztes. Darin war nicht zu erkennen,dass unsere Argumente vor Ort nachvollzogen werden konnten. Stattdessen wude als Haupt- und de facto einziger Grund der geplanten Übernahme zweier Berliner Elefanten zu Lebzeiten der sehr alten Publikumslieblinge "Rani" und "Shanti" genannt, dass nach deren erwartetem Ableben eine Einzelhaltung von "Jenny" vermieden werden sollte. Die Bedürfnisse der - gegenwärtig noch lebenden - Altkühe wurden leider nicht erwähnt.

Wir konkretisierten unsere Bedenken und fügten ein Gutachten der Zoologin und Verhaltensforscherin Dr. Marion E. Garai bei. In ihrer Stellungnahme begründet die Wissenschaftlerin, weshalb eine Umsetzung der Transferpläne wie gehabt nicht nur keinem Elefanten gegenwärtig nützen, sondern gleich mehreren Tieren schaden würden. Zusätzlich würde sich auch langfristig sehr wahrscheinlich keine positive soziale Situation einstellen.

In diesem Gutachten werden gleichzeitig Alternativlösungen vorgeschlagen, die dem Zoo und den Elefanten gleichermaßen zugute kommen könnten.

Während die Antwort auf unser erstes Schreiben bereits nach einem Tag erfolgte, haben wir auf die Stellungnahme von Frau Dr. Garai hin bisher noch keine Reaktion erhalten.

Dem Veterinäramt sind darüberhinaus zwei Beiträge aus dem aktuellen Elefanten-Magazin zur Verfügung gestellt worden. Beide wurden von Elefantenpflegern verfaßt


Februar 2015

EEP für Afrikanische Elefanten - Entscheidungen pro oder contra Elefantenzucht?
 

Die Thüringer Allgemeine Zeitung berichtet in ihrer Online-Ausgabe vom 07.01.2015 über die geplanten Entwicklungen der Zuchtbemühungen bei den Afrikanischen Elefanten des Thüringer Zooparks Erfurt. In Erfurt wird neben der 43-jährigen "Safari" mit der 11-jähigen zoogeborenen "Chupa" ein junges Weibchen mit Fortpflanzungspotenzial gehalten. Der Koordinator des Afrikaner-EEP hat für die junge Kuh, die bereits Geschlechtszyklen aufweist, als männlichen Zuchtpartner den 9-jährigen, noch nicht zeugungsfähigen Nachzuchtbullen "Kibo" aus Wien-Schönbrunn vorgesehen.

Weiter heißt es in dem Bericht: "Um die Zuchtchancen zu vergrößern, hatte sich Merz [gemeint ist die Erfurter Zoopark-Direktorin Frau Dr. Dr. Sabine Merz - Anm. der Red.] noch für einen zweiten, älteren Bullen eingesetzt. Der Europäische Zuchtkoordinator, Harald Schwammer aus Wien, hatte diese Idee jedoch abgelehnt. Ein älterer Bulle würde Kibo nur unterdrücken, sagte er unserer Zeitung. Zudem gebe es nicht genügend Zuchtbullen." http://erfurt.thueringer-allgemeine.de/web/lokal/leben/detail/-/specific/Elefant-Kibo-wird-spaetestens-Anfang-April-in-Erfurt-erwartet-395024182

De facto hat der Koordinator dem Zoopark damit untersagt, einen zuchtfähigen Bullen für die bereits geschlechtsreife "Chupa" anzuschaffen. Dass Afrikanische Elefantenbullen nicht selten später zeugungsfähig werden als Asiatenbullen ist belegt, dass die Zuchtaussichten junger Weibchen mit jedem Jahr ohne Trächtigkeit sinken, ebenfalls.

Inhaltlich sind die Vorwände des Koordinators nach allem, was bekannt ist, nicht haltbar. Gegen die These, dass mehrere Bullen einander unterdrücken gibt es inzwischen diverse Beispiele bei Afrikanern. In den Zoos von Basel und Kronberg gab es in den 1960er Jahren Zuchterfolge bei gleichzeitiger Haltung von zwei Bullen, ebenso im britischen Howletts in den 1980ern. "Krueger" hat in Knowsley in den 2000ern in Anwesenheit des Jungbullen "Nissim"  gezeugt. Im spanischen Cabarceno züchteten die Bullen "Chisco" und "Cita" während der 1990er und 2000er Jahre bei gleichzeitiger Haltung von bis zu drei adulten Bullen, ebenso wie "Pambo" ca. 10 Jahre später bei Anwesenheit des über 10-jährigen "Coco". Im Gegenteil - einen erwachsenen Bullen bei Werbung und Paarung zu beobachten trägt wesentlich zum späteren Zuchterfolg heranwachsender Männchen bei. Da Wien seit Jahren keinen erwachsenen Bullen hält, fehlen "Kibo" diese wichtigen Erfahrungen, welche zum Komplex des Sozialen Lernens dazugehören. Davon abgesehen kann es zunächst auch egal sein, ob der jüngere Bulle zeugt - solange es der ältere tut. Entscheidend wäre, das Zeitfenster der jungen Kuh zur Erstzucht zu nutzen, bevor es sich schließt.

Richtig ist, dass die Zahl erwachsener, fortpflanzungsfähiger Afrikanerbullen im gesamteuropäischen Raum gering ist. Zum Problem wird aber nicht deren Anzahl, sondern eine seit Jahren äußerst ungünstige Aufteilung dieser Tiere auf Zoos, in denen sie ihr Zuchtpotenzial nicht bzw. nicht ausreichend nutzen können:

Im EEP-Raum werden z.Z. 49 männliche Afrikanische Elefanten gehalten. Davon sind 13 Tiere Zuchtbullen. Von diesen haben 6 Bullen mindestens eine fruchtbare Partnerin zur Verfügung und müssen nicht aufgrund vorhandener Töchter getauscht werden, weniger als die Hälfte.

Bei 4 Zuchtbullen ist ein Tausch erforderlich aufgrund Inzuchtgefahr mit eigenen Töchtern: "Tembo"/Berlin, "Tonga"/Hodenhagen, "Tusker"/Wuppertal, "Jums"/Howletts

Weitere 3 Zuchtbullen haben gar kein Weibchen im Bestand, mit welchem (natürliche) Fortpflanzung möglich ist: "Yossi"/Ramat Gan, "Tembo"/Colchester, "Krueger"/Port Lympne bzw. Wraxall

Von 6 weiteren Männchen über 20 Jahre hat nur einer gewisse Chancen zur Fortpflanzung. Fünf dieser Bullen haben keine Zuchtpartnerin: "Shaka"/Duisburg, "Afrique"/Monde Sauvage, "Carl"/Tallinn, "Ben"/Thoiry, "Java"/Fasano

Weitere 13 Bullen sind zwischen 10 und 20 Jahre alt. davon haben nur drei in den Zoos von Toulouse, Lissabon und Boras relativ gute Zuchtaussichten, während 5 Bullen eher schlechte Zuchtaussichten haben und getauscht werden sollten. Noch weitere 5 Bullen dieser Altersklasse haben gar keine zuchtgeeignete Partnerin zur Verfügung.

Somit gibt es in ganz Europa 22 Afrikanerbullen, die aktuell keine oder kaum Zuchtaussichten in ihren Zoos haben, aber als Zuchtpartner für die Erfurter Kuh "Chupa" besser geeignet wären als der Wiener "Kibo".

Neben "Chupa" warten im übrigen in weiteren 13 Zoos noch weitere 37 fruchtbare Weibchen auf einen geeigneten männlichen Zuchtpartner, hinzu kommen 6 sehr junge Nachzuchtkühe, die demnächst geschlechtsreif werden. Die meisten von ihnen warten seit Jahren.

Das europäische Zuchtprogramm für Afrikanische Elefanten steht kurz vor dem Zusammenbruch. Die Situation ist nicht neu, sondern seit langem bekannt. Ursächlich sind weder ein Mangel an fortpflanzungsfähigen Afrikanischen Elefanten noch eine "schwere Züchtbarkeit" verantwortlich. Sollte der Aufbau eines selbsterhaltenden Bestandes misslingen, liegt dies einzig daran, dass in den letzten Jahren zu wenig sinnvolle Entscheidungen getroffen wurden, um das Zuchtprogramm voranzubringen. In diesen Kontext reihen sich die aktuellen EEP-Pläne für Erfurt nahtlos ein.
Betroffen sind davon nicht nur Erfurt, sondern alle Halter, denen gegenüber die Sackgasse des Populationszusammenbruchs als Einbahnstrasse ausgewiesen wird, während der Abzweig zu koordiniertem Bestandsmanagement inzwischen fast schon passiert ist. Es ist nicht nachzuvollziehen, weshalb die Zoogemeinschaft keine vereinten Anstrengungen unternimmt, dies zu ändern.


Januar 2015

Allwetterzoo Münster und Zoo und Night Safari Singapur:                            Weitere Zoos stellen auf modernes, tiergerechtes und sicheres Haltungssystem Geschützter Kontakt um

In den letzten Wochen haben drei zoologische Einrichtungen mit Elefantenhaltung bekannt gegeben, dass das Haltungssystem von „Freiem Kontakt“ auf Geschützten Kontakt umgestellt wird.

Ende Dezember 2014 veröffentlichte die Organisation „Wildlife Reserves Singapore“, die den Zoo Singapur und den Tierpark „Night Safari“ betreibt, dass das Management aller 11 Elefanten, die in den beiden Parks leben, in den nächsten Jahren vollständig auf „Geschützten Kontakt“ umgestellt wird.

Bereits vor einigen Jahren hat sich die Wildlife Reserves Singapur zum Vorreiter in der Elefantenhaltung in Südostasien gemacht, indem man die Haltung des Zuchtbullen „Chawang“ aus Sicherheitsgründen auf den sicheren Geschützten Kontakt umgestellte, nachdem dieser einen Pfleger schwer verletzte hatte.

Begründet wird die Entscheidung der Umstellung des Haltungssystems nicht nur für die Bullen, sondern auch für die weiblichen Elefanten damit, dass Geschützter Kontakt unter modernen Zoos als sicherste Haltungsmethode gilt, die gleichzeitig die medizinische Versorgung und optimale Betreuung der Elefanten sichert. Während die Herstellung der erforderlichen baulichen Anlagen (leider) einige Zeit in Anspruch nehmen wird, haben beide Zoos ab dem 5. Januar 2015 alle Elefantenshows und Spaziergänge außerhalb der Elefantenanlage  sowie alle Aktivitäten, die Besucher in Direkten Kontakt mit den Tieren brachten, eingestellt. Der Begründung, dass dies neben dem Sicherheitseffekt den Tieren mehr Zeit geben wird, miteinander ihr Sozialverhalten auszuleben, stimmt Elefanten-Schutz-Europa voll zu.

In südostasiatischen Zoos werden Elefanten inklusive der hochgefährlichen Bullen bisher leider fast ausschließlich im Direkten Kontakt gehalten, obwohl Elefanten, die in ihren natürlichen Herkunftsländern leben, dort genauso oft gegen Menschen aggressiv werden wie in Zoos und Circussen in Europa und Nordamerika. Umso bedeutender ist die Entscheidung der Wildlife Reserves Singapur.

Auch aus Deutschland, das in Europa im Hinblick auf modernes Elefantenmanagement leider immer noch das Schlusslicht darstellt, gibt es erfreuliche Nachrichten: Nachdem 2014 der Zoo Duisburg seine drei Elefantenkühe in den Geschützten Kontakt übernahm, plant für die Zukunft neben den Zoos von Dresden und Hannover auch der Allwetterzoo Münster die Umstellung für die fünf Elefantenkühe  (Zuchtbulle „Alexander“ wird - wie in Europa für Bullen üblich - bereits im Geschützten Kontakt betreut). In der Berichterstattung der Lokalpresse wird der Kurator des Kölner Zoos, Dr. Olaf Behlert, zur Begründung der Entscheidung damit zitiert, dass Geschützter Kontakt inzwischen europaweit als artgerechter angesehen wird - eine Aussage, der Elefanten-Schutz-Europa ebenfalls voll zustimmt.

  • Die Umstellung auf Geschützten Kontakt betrifft übrigens sowohl in Singapur als auch in Münster  mehrere Elefantenkühe, die älter als 40 Jahre sind. In Übereinstimmung mit den Erfahrungen in anderen Zoos sieht man darin richtigerweise weder in Singapur noch in Münster ein Problem. Umso unverständlicher ist es, dass z.B. die Verantwortlichen des Karlsruher Zoos unbelehrbar an der Behauptung festhalten, ältere Elefantenkühe würden nicht mehr auf Geschützten Kontakt umgestellt und könnten nur im Direkten Kontakt angemessen betreut werden!

28.01.2015

Zoo Karlsruhe - Elefanten-Schutz Europa formuliert seine Bedenken in einem Schreiben an den für den Zoo Karlsruhe zuständigen Amtstierarzt

Bedenken bzgl. der Übernahme zweier Berliner Elefantenkühe vor Ableben von "Rani" und "Shanti"

Sehr geehrter Herr Dr. Hofschulte,

Der Zoo Karlsruhe bemüht sich wie Sie wissen derzeit um den Erwerb zweier Elefantenkühe aus dem Berliner Tierpark. In der Presse war mehrfach zu lesen, dass Sie bereit wären, die Übernahme der beiden Kühe zusätzlich zu den drei bereits im Zoo Karlsruhe lebenden Elefanten für eine Übergangszeit von drei Jahren zu genehmigen ... weiterlesen


23.01.2015

Karlsruhe - Beitrag im "Kurier Karlsruhe" bezichtigt Elefanten-Schutz Europa, "faustdicke Lügen" zu verbreiten.

Hintergrund ist, dass in den Stellungnahmen des Vereins auch die - zuvor nicht veröffentichten - Unfälle mit Elefanten im Zoo Karlsruhe thematisiert werden. Diese hätten fraglos zum Einbau von Sicherheitsvorkehrungen wie von außen bedenbaren Toren im Erweiterungsbau des Elefantenhauses führen müssen. Der Zoo negiert die Probleme, welche definitiv vorgekommen sind, aber weiterhin. Offenbar in der Annahme, dass Elefanten-Schutz Europa keine genauen Informationen zu den Vorfällen seit den 1960er Jahren bekannt sind, wird dann im Kurier-Beitrag von "faustdicken Lügen" geschrieben.


14.01.2015

Zoo Karlsruhe - Fehlinformationen der Presse durch Zoodezernent Obert setzen sich fort - Richtigstellung als Homepagebeitrag von Elefanten-Schutz Europa
 

Offenbar läßt sich Bürgermeister und Zoodezernent Michael Obert weiter von den falschen Quellen beraten, denn auch die neuesten Interviews verbreiten nicht zutreffende Informationen. Elefanten-Schutz Europa beschränkt sich an dieser Stelle darauf, die wesentlichsten Aussagen richtigzustellen .... weiterlesen

Die lokalen Medien wurden hierüber informiert.


07.01.2015

Zoo Karlsruhe - Stellungnahme des Vereins und ein Fernsehbeitrag auf BADEN-TV

BADEN-TV, ein Regionalsender, strahlt einen TV-Beitrag zur geplanten Übernahme der Berliner Elefanten aus, in dem auch Bedenken von Elefanten-Schutz Europa zur Sprache kommen. Hierfür hatte BADEN-TV unseren Verein zuvor um eine Stellungnahme gebeten, eine Anfrage welcher wir sehr gern nachgekommen sind.


06.01.2015

Zoo Karlsruhe - Nachdem in Interviews des Zoodezernenten und Bürgermeisters Michael Obert weitere nicht zutreffene Informationen verbreitet werden, stellt Elefanten-Schutz Europa diese auf der Homepage erneut richtig.

Karlsruhe: Stellungnahme von Michael Obert bleibt inhaltlich haltlos

Auf Ka-news.de nimmt Zoodezernent und Bürgermeister Michael Obert Stellung zu einigen der Probleme, die Elefanten-Schutz Europa im Fall der Übernahme von „Louise“ und „Astra“ aus Berlin sieht. http://www.ka-news.de/region/karlsruhe/Karlsruhe~/Gnadenhof-fuer-Elefanten-Wird-der-Karlsruher-Zoo-den-alten-Tieren-gerecht;art6066,1550437
Seine Stellungnahme hat den Bedenken unseres Vereins inhaltlich nichts entgegenzusetzen, sondern versucht, von den eigentlichen Problemen abzulenken... weiterlesen


Dezember 2015

Karlsruher Elefantenherde wird größer?                                             

Hintergründe zur geplanten Aufnahme zweier weiterer Elefanten und Richtigstellung unzutreffender Aussagen des kommissarischen Zoodirektors Dr. Clemens Becker

Nach einem Bericht der Zeitung „Badische Neueste Nachrichten“ vom 13. Dezember 2014 sollen die Asiatischen Elefantenkühe „Louise“ (41 J.) und „Astra“ (34 J.) Anfang 2015 aus dem Tierpark Berlin in den Zoo Karlsruhe umziehen.                                                                                                                                                                   

Wenn dieser Transfer tatsächlich so stattfindet, würde das  für die Elefanten in beiden Zoos eine massive Verschlechterung der Situation darstellen und ....weiterlesen


13.12.2014

Der Zoo Karlsruhe gibt in der Presse bekannt, dass man 2015, im Jahr des 150-jährigen Zoojubiläums, die Übernahme zweier Elefantenkühe aus Berlin anstrebt



Dezember 2014

Erfolgreiches Projekt:                                                                      Junggesellengruppe Afrikanischer Elefantenbullen im Birmingham Zoo, USA

Der US-amerikanische Zoo Birmingham (Alabama) eröffnete 2010 eine neue Elefantenanlage für die  erste Junggesellengruppe Afrikanischer Elefanten in Nordamerika. Als erste Bewohner zogen der adulte Bulle „Bulwagi“ (33 Jahre) und die drei zoogeborenen Nachwuchsbullen „Ajani“ (14 Jahre), „Callee“ (13 Jahre) und „Tamani“ (8 Jahre) ein. Nach einer langen und vorsichtigen Zusammengewöhnung leben seit Mai 2013 alle vier Elefanten tagsüber zusammen.

Während Vergesellschaftungen Asiatischer Elefantenbullen verschiedener Altersstufen in den letzten Jahren in mehreren europäischen Zoos erfolgreich verliefen, gibt es zu Junggesellengruppen Afrikanischer Elefanten in zoologischen Gärten bisher kaum Erfahrungen. Die wenigen europäischen Zoos, die eine Männergruppe Afrikanischer Elefanten halten bzw. gehalten haben, beschränken sich aus Platzgründen bisher meist auf Zweiergruppen gleichaltriger Jungtiere. Nach bisherigen Erkenntnissen werden junge Afrikanerbullen in einer solchen Konstellation ebenso wie Asiatische Jungbullen leider meist schon vor dem 10. Geburtstag unverträglich. Für eine dauerhafte Lösung des „Bullenproblems“ bei beiden Elefantenarten sind Zweierhaltungen gleichaltriger Jungbullen also keine Option.

Das Zusammenleben der vier Afrikanerbullen in Birmingham funktioniert erfreulicher Weise problemlos, was darauf hindeutet, dass auch für Afrikanische Elefanten die Zukunft der Bullenhaltung in Gruppen von mehreren männlichen Elefanten verschiedener Altersklassen liegt. Ein beeindruckendes Video, das den großen Bullen „Bulwagi“ beim Spielkampf mit seinen jungen Artgenossen zeigt, haben wir für Sie verlinkt.


Herbst 2014

Erfreuliche Entwicklungen im Herbst 2014 in deutschen Zoos

Nachdem einige deutsche Zoos in den letzten Jahren immer wieder dadurch auffielen, entgegen wissenschaftlicher Erkenntnisse und der EEP-Richtlinien Elefantenkühe einzeln abzugeben und dadurch Mutter-Tochter-Paare bzw. eng befreundete Kühe trennten, wurden in den letzten Monaten mehrere Transfers unter Beteiligung deutscher Zoos vorgenommen, die den sozialen Bedürfnissen von weiblichen Elefanten Rechnung tragen.

Den Anfang machte Ende August die 40-jährige Asiatische Elefantenkuh „Thura“, die gemeinsam mit ihrer 5-jährigen Tochter „Rani“ vom Tierpark Hagenbeck in den Zoo Leipzig umzog. „Thura“ war in Hagenbecks Elefantenherde sozial nicht integriert und wurde seit Jahren von den meisten anderen Elefanten fern gehalten. Ziel des Transfers war es, „Thura“ in Leipzig wieder mit ihrer alten Freundin „Saida“ zusammen zu führen, die mit den anderen Elefantenkühen in Leipzig unverträglich ist und dort nur mit dem Bullen vergesellschaftet werden konnte. Beide Tiere hatten viele Jahre zusammen gelebt, zuerst in einem spanischen Zoo und bis zum Jahr 2005 bei Hagenbeck. Erfreulicher Weise verlief der Transport problemlos. „Thura“ und „Saida“ erkannten einander sofort wieder und alle drei Elefanten konnten schon kurz nach der Ankunft gemeinsam auf die Außenanlage gelassen werden. Durch die Entscheidung zur Abgabe gemeinsam mit ihrer Tochter ermöglicht der Tierpark Hagenbeck „Thura“ und „Saida“ nun ein stressfreies Leben in Gesellschaft der besten Freundin und  erspart der kleinen  „Rani“ die traumatische Trennung von ihrer Mutter.

Gleich fünf weibliche Elefanten zogen einige Wochen später aus dem Zoo Hannover in den belgischen Park „Pairi Daiza“ (Brugelette) gemeinsam um:  Matriarchin „Khaing Hin Hin“ (32 Jahre) mit ihren Töchtern „Farina“ (11 Jahre), „Soraya“ (4 Jahre) und  „Malay“ (2 Jahre) sowie Enkeltocher „Amithi“ (2 Jahre). Für diesen Familienclan soll in Pairi Daiza eine neue Anlage errichtet werden; Vergesellschaftungen mit den anderen Elefanten des Parks sind vernünftiger Weise nicht geplant. Die Entscheidung, die ganze Familie zusammen abzugeben, hat gleich mehrere Vorteile: Die sozialen Bindungen innerhalb der Familie von „Khaing Hnin Hnin“ bleiben erhalten, der Zoo Pairi Daiza hat nun eine wunderschöne,  harmonische Familiengruppe, die in den nächsten Jahren sicher für weiteren Elefantennachwuchs sorgen wird, und im Zoo Hannover ist nun Platz, um die miteinander befreundeten Elefantenkühe „Manari“ und „Sayang“ sowie deren Nachwuchs zu behalten. Besorgnis erregend ist aber, dass die fünf Mitglieder der „Khaing Hnin Hnin“-Familie derzeit in Pairi Daiza im Direkten Kontakt gehalten werden. Eine Umstellung auf Geschützten Kontakt soll beabsichtigt sein, aber im Moment bedeutet das  für die Elefantenpfleger ein massives Unfallrisiko, da gleich fünf (!) neue Elefanten unter Kontrolle gehalten werden müssen. In der Vergangenheit haben Vereinsmitglieder mehrfach beobachten müssen, dass die Elefantenpfleger in Pairi Daiza mit grobem Einsatz des Elefantenhakens nicht zimperlich sind.

Mitte November kündigte der niederländische Zoo Beekse Bergen den nächten Transfer einer ganzen Elefantenfamilie aus einem deutschen Zoo an: Afrikanerkuh „Punda“ (22 Jahre) wird im Frühjahr 2015 gemeinsam mit ihren Töchtern „Bongi“ (9 Jahre) und Pina“ (1 Jahr) sowie Sohn „Shawu“ (3 Jahre) aus dem Zoo Wuppertal nach Beekse Bergen umziehen. In Beekse Bergen wird gerade ein neuer Freilaufstall mit Sandboden als Erweiterung zu der bestehenden Anlage errichtet. „Punda“ und ihre Kinder müssen in Wuppertal aufgrund von Unverträglichkeiten mit unverwandten  Elefantenkühen schon seit längerem getrennt gehalten werden. Es ist sehr erfreulich, dass sich auch der Zoo Wuppertal entschlossen hat, im Interesse der Elefanten die ganze Familie gemeinsam abzugeben und den Tieren einerseits traumatische Trennungen zu ersparen und andererseits in Wuppertal mit den Kühen „Sabi“, „Sweni“ und deren Nachwuchs eine harmonische Herde zu behalten. „Punda“ und ihre Kinder werden in Beekse Bergen auch in eine Haltung kommen, die bereits Geschützten Kontakt praktiziert, so dass auch auf der Ebene des Managements für die Tiere eine deutliche Verbesserung eintreten wird.


August 2014

Adoption eines verstoßenen Elefantenkalbs durch eine fremde Elefantin

im „Ichihara Elephant Kingdom“ (Japan)

Die künstliche Aufzucht von neugeborenen Elefantenkälbern gehört zu den schwierigsten Aufgaben in der Elefantenzucht und gelingt fast nie (Todesrate bei beiden Arten ca. 80%). Auch die beiden ersten lebend geborenen Kälber der Asiatischen Elefantenkuh „Zuze“ (geb. 1990 in Riga) aus dem japanischen Zoo Kobe überlebten nicht, nachdem „Zuze“ sie nicht angenommen hatte. Kuhkalb „Momo“, geboren im März 2004, starb bereits im Alter von 13 Monaten an zahlreichen Knochenbrüchen, der häufigsten Todesursache künstlich ernährter Asiatischer Elefantenkälber. An gleicher Ursache starb auch „Zuze`s“ zweiter Nachwuchs, Bullkalb „Oji“, allerdings erst im Alter von 4 ½ Jahren. Zuvor hatte sie 2002 eine Totgeburt.

Im Oktober 2013 wurde die zum vierten Mal schwangere „Zuze“, die in Kobe ohne weibliche Gesellschaft allein mit dem Zuchtbullen „Boy“ lebte, in das „Ichihara Elephant Kingdom“ transferiert, um von der zweifachen Mutter „Pooly“ und deren jüngstem Kalb „Ririka“ (geb. im September 2013)  Mutterverhalten zu lernen. Leider nahm „Zuze“ aber auch dieses Kalb, den am 12. Juni 2014 geborenen Bullen „Yuki“, nicht an. Nachdem das Kalb die ersten Tage mit der Flasche und abgemolkener Milch von „Zuze“ ernährt wurde, entschloss man sich, den kleinen Bullen mit „Pooly“ und deren Tochter zusammen zu führen und zu versuchen, ihn bei „Pooly“ mittrinken zu lassen. Dies gelang so gut, dass beide Kälber inzwischen rund um die Uhr bei „Pooly“ bleiben können.  Der kleine „Yuki“, ein Enkel der beiden prächtigen Stoßzahnträger „Radza“ (gest. 2013 im Zoo Emmen) und „Maxi“ (Zoo Zürich), sollte jetzt die gleichen Chancen wie jedes andere Elefantenkalb auch haben, gesund aufzuwachsen.

Für die derzeit im tschechischen Zoo Ostrava stattfindende Aufzucht eines jetzt 6-monatigen Asiatenkalbs mit künstlicher Ernährung hingegen ist es für eine Entwarnung noch viel zu früh. Das weibliche Jungtier wurde im Februar 2014 mit einem schwachen Saugreflex geboren und trotz gutem Mutterverhaltens von „Vishesh“  gelang es ihr nie, bei der Mutter zu trinken. Zwar entwickelt sich das Baby derzeit zufriedenstellend, verträgt die Flaschennahrung gut und lebt dauerhaft bei seiner Mutter in der Weibchenherde, aber die Gefahr, dass es in den nächsten Jahren zu unheilbaren Knochenproblemen oder einer tödlichen Elefantenherpes-Infektion kommt, ist sehr groß. Im Fall der zweiten, derzeit laufenden Aufzucht eines zoogeborenen Elefantenkalbs mit künstlicher Ernährung traten hingegen bereits schwere Komplikationen ein. Die im September 2011 im japanischen Toyohashi geborene Asiatische Elefantenkuh „Mara“, die von Mutter „Asha“ nicht angenommen wurde, entwickelte sich zunächst gut, zog sich aber Ende Januar 2013 im Alter von 16 Monaten Knochenbrüche in beiden Vorderbeinen zu. Seitdem versuchen die Elefantenpfleger und Tierärzte alles, um ihr Leben zu retten. Auch wenn es erstaunlich ist, dass „Mara“ mehr als 1 ½ Jahre nach den Knochenbrüchen noch am Leben ist, dürfte die Langzeitprognose nicht gut sein.

Ein Video mit Bildern von „Pooly“ mit „Ririka“ und „Yuki“ findet sich hier: https://www.youtube.com/watch?v=GL92FJOSBbg

Weitere Aufnahmen inkl. Bildern der Geburt und der Zusammenführung mit „Pooly“ sind in diesem Video enthalten: https://www.youtube.com/watch?v=hMchYlvvqAo

Ob „Zuze“ angesichts der Unruhe durch den exzessiven Personaleinsatz bei und nach der Geburt mit einem Dutzend oder mehr Menschen überhaupt eine Chance hatte, zu  ihren Kalb eine Bindung aufzubauen, darf bezweifelt werden. Auch die im Video zu sehenden Haltungsbedingungen, die die Elefanten zu erdulden haben (Leben  in sehr kleinen Gehegen mit Betonböden innen und außen in beiden Zoos, permanente Pflegerdominanz und Circusvorführungen in Ichihara), stimmen traurig.


Juli 2014

Bullentausch im Kaukasus

Seit November 1999 lebte der im Zoo Moskau (am 08.07.1995) zur Welt gekommene Asiatische Elefantenbulle „Grand“ (= „Elbrus“, damals gut 4 Jahre alt) zumeist alleine im armenischen Zoo Erevan. Nur kurzfristig war in diesem Zeitraum eine ältere Kuh anwesend. Die Elefantenanlage in Erevan und insbesondere die Stallung ist für die Hal­tung mehrerer Elefanten bisher nicht geeignet. Im Zoo Tiflis im benachbarten Georgien lebt dagegen die 17-­jährige, aus Laos stammende Elefan­tenkuh „Malka“ zusammen mit ihrem am 30.12.2007 geborenen Sohn „Bunka“. Der Va­ter des Jungtiers (zusammen mit „Malka“ im­portiert) verstarb leider bereits 2008. Um in Tif­lis wieder eine Zucht zu ermöglichen, entstand der Gedanke eines Bullentausches, d.h. den geschlechtsreifen „Grand“ nach Tiflis zu „Mal­ka“ zu transportieren und den mittlerweile 6½ Jahre alten „Bunka“ dafür nach Erevan umzu­setzen.

Im Elefanten-­Magazin Nr. 24/2013 berichteten wir über die ersten Aktivitäten un­serer Vereinsmitglieder Ingo Schmidinger und Nuria Maldonado (Elefantenpfleger) sowie To­bias Dornbusch (Biologe) in den beiden Kau­kasus­-Zoos im Bereich Elefantentraining sowie Haltungs-­ und Managementberatung. Seit No­vember 2013 ist Tobias Dornbusch vollzeitlich im Zoo Erevan tätig mit der Aufgabe der Ver­besserung der Tierhaltung (u.a. durch Enrich­mentmaßnahmen) und insbesondere auch für die Vorbereitung der Elefantentransfers.


Nach vielen und zeitlich oft langwierigen Maßnahmen im Vorfeld (u.a. dem Vertrautma­chen von „Grand“ mit dem speziell angefertig­ten Transportcontainer) und mit Unterstützung durch die beiden erfahrenen Fachtierärzte für Zoo­ und Wildtiere Prof. Dr. Henning Wiesner und Dr. Julia Gräfin Maltzan ist der erste Transport, begleitet von großem Interesse der nationalen Medien, ohne Komplikationen im vorgesehenen zeitlichen Rahmen abgelaufen. Am 11.06.2014 war die Abfahrt von „Grand“ aus Erevan und am 12.06.2014 die Ankunft im Zoo Tiflis, wo das Ausladen ebenfalls reibungsfrei klappte. Neben Tobias Dornbusch war von unserem Verein in den letzten Tagen der Vorbereitung auch wieder Ingo Schmidinger vor Ort. Letzterer sowie Prof. Wiesner und Frau Dr. Maltzan ist für ihre Bereitschaft zu diesem kurzzeitigen, aber sicher etwas ungewöhnlichen Einsatz im Kau­kasus herzlich zu danken! Die kostspielige Aktion (ca. 20.000 US$) wurde gesponsert und durchgeführt von DHL Global Forwarding Armenien und von DHL Global Forwarding Georgien. Ein herzlicher Dank deshalb auch an die Herrn Zurab Sapanadze und Tamar Ivanishvili in Georgien sowie Meghrdich Arzemanian und Heghine Armenyan in Armenien.

Am meisten gefreut haben sich aber alle Beteiligten über das Erlebnis des ersten Zu­sammenlassens von „Grand“ und „Malka“ we­nige Tage später: es war offenbar Sympathie auf den ersten Blick und das Verhalten der bei­ den lässt Hoffnung auf ein erfolgreiches (und hoffentlich „folgenreiches“) Zusammenleben zu. Die erweiterten Innen­ und Außenanlagen mit sicherer Bullenunterkunft bieten räumlich die Voraussetzungen hierzu.
Bei „Grand“ ist übrigens für dieses Jahr eine nicht ganz risikolose Ope­ration an seinen beiden Zahnstümpfen durch ein englisches Ärzteteam geplant.


Am 08.07. wurde nach erfolgreichem Kistentraining auch „Bunka“ im Zoo Tiflis ein­ und am Morgen des 09.07.2014 im Zoo Erevan wohlbehalten wieder ausgeladen, diesmal neben Tobias Dornbusch unter Begleitung des erfahrenen Os­nabrücker Elefantenrevierleiters Detlef Niebler und des Zootierarztes Thomas Scheibe. In Erevan ist in den letzten Monaten in der Ele­fantenhaltung viel geschehen, das Außenge­hege wurde z.B. mit Baumstämmen bereichert und zahlreiche Beschäftigungsmöglichkeiten eingerichtet. Aber der Ausbau der Anlage und insbesondere der Stallung bleibt vordringlich und soll bald realisiert werden, damit „Bunka“ wieder schnell artgemäße Gesellschaft erhält.

Unser Verein hat somit zum Erfolg dieses Austausches einen wesentlichen Beitrag geleistet, durch Beratung und „Manpower“ vor Ort, aber auch durch Vermittlung von Kontakten zu externen Fachleuten, was praktizierter Tierschutz ist.

L.: "Grand" und "Malka" (r. stehend) verstehen sich in Tiflis gut. R.: Bunka in seinem mit viel Enrichment aufgewerteten Gehege im Zoo Erevan. Fotos: T. Dornbusch


2014

Zoo Karlsruhe -  Aufgrund wiederholter Mitteilungen verschiedener Personen zum Drill der Elefanten im Karlsruher Zoo wendet sich Elefanten-Schutz Europa erneut an Zoo und Stadt Karlsruhe mit der Bitte um ein Gespräch.

Erneut erst nach wiederholter Nachfrage entschließt man sich bei der Stadt zu reagieren. Unsere Bedenken werden zurückgewiesen, eine Gesprächstermin abgeblockt und schließlich auch deutlich gemacht, dass von Zoo bzw. Stadt Karlsruhe kein Interesse an einem weiteren Dialog besteht.

Bitte um einen Gesprächstermin der EEG, Juli 2014

Nachfrage EEG, September 2014

Antwortschreiben der EEG, Dezember 2014



Mai 2014

Enrichment im Tierpark Berlin

Seit Amtsantritt von Herrn Dr. Andreas Knieriem wird bei den Elefanten beider Gruppen (Asiatische und Afrikanische Elefanten) verstärkt mit Enrichment gearbeitet. Im Einsatz sind Heunetze, Futtertonnen und Autoreifen. Die abwechselnd angebotenen Bereicherungen werden von den Elefanten gut angenommen, wie unsere Bilder zeigen.

Tierpark Berlin, Mai 2014: o.l.: "Nova" an der Futtertonne, o.r.´: "Ankhor" mit Heunetz, u.l. "Lilak" und "Kariba" suchen in Autoreifen versteckte Pellets, u.r.: "Kariba" beim Spielen; alle Fotos: N. Keese


2014

Enrichment im Zoo Hannover

Gute Nachrichten aus dem Zoo Hannover: Vor kurzem wurden im Elefantengehege zwei Drahtkugeln mit darin befindlichen Futtertonnen installiert, die mit Pellets gefüllt werden können. Die Elefanten sind dann stundenlang damit beschäftigt, die Leckereien durch kleine Öffnungen heraus zu schütteln. Das „Angebot“ kommt sowohl bei den erwachsenen Kühen als auch den Jungtieren hervorragend an! Zudem ist erfreulich, dass anstelle der „Elefantenshow“ mit unwürdigen Circus-Kunststücken derzeit nur kommentierte Fütterungen stattfinden.


März 2014

Zum Tod von Elefantenkuh „Ilona“ im Zoo Karlsruhe

Am 31. März 2014 musste im Zoo Karlsruhe die ca. 52-jährige Asiatische Elefantenkuh „Ilona“ wegen unheilbarer, schwerer Arthrose eingeschläfert werden. Angesichts dessen, das „Ilona“ seit Monate eigentlich überhaupt nicht mehr laufen konnte und in extrem schlechtem Allgemeinzustand war, kam diese Entscheidung nicht überraschend und ist nachvollziehbar.

Es ist allerdings sehr traurig, dass „Ilona“ nach ihrem Wechsel vom Zoo Heidelberg nach Karlsruhe im November 2009 die letzten Jahre ihres Lebens (wieder) in einem Zoo verbringen musste, dessen Elefantenpfleger zu „Hardlinern“ unter den Anhängern des Direkten Kontakts gehören und die nicht zögern, auch gegenüber alten und schwerkranken Elefanten auf brutale Weise Gebrauch vom Elefantenhakens zu machen.

Sogar in der Woche vor ihrem Tod – der körperliche Zustand der Elefantenkuh war katastrophal schlecht – wurde „Ilona“ vor den Augen einer schockierten Besucherin (Name dem Verein bekannt) durch groben Hakeneinsatz dazu angetrieben, sich schneller zu bewegen. Durch solch rücksichtsloses Verhalten schaffen Elefantenpfleger selbst die besten Argumente, warum ein Wechsel auf Geschützten Kontakt nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch zur Gewährleistung des Tierschutzes dringend erforderlich ist!

Von den folgenden Bildern stammt das Linke aus dem Jahr 2012, als „Ilona“ das Laufen bereits sehr schwer fiel. Das Rechte entstand 3 Tage vor Einschläferung des Tieres:


Februar 2014

Elefantenkälber „auf Entdeckungstour“ im Zoo Wuppertal?!

http://www.zoo-wuppertal.net/4-tiere/s-ruesseltiere-elefanten-afrikanischerelefant-2014entdeckungstour.htm

Auf den Bildern dieser privaten Webseite, zu denen der obige Link führt, ist zu sehen, wie drei Elefantenpfleger des Zoo Wuppertal einen der beiden jetzt dreijährigen Elefantenbullen (entweder „Shawu“ oder „Uli“, beide geb.  im Januar 2011) während der Öffnungszeiten des Zoos in Anwesenheit von Besuchern außerhalb der Elefantenanlage alleine – d.h. ohne Begleitung durch die Mutter oder einen anderen Elefanten – umher führen.

Die EEG hat hierzu bei der Direktion des Wuppertaler Zoos nachgefragt und um die Sichtweise der Verantwortlichen gebeten. In einer nur sehr allgemeinen und wenige Zeilen umfassenden Antwort des Zoodirektors wurde auf unsere umfangreichen Erläuterungen und Hintergrundinformationen zu der Problematik solcher Aktionen für Mensch und Tier leider überhaupt nicht eingegangen - immerhin gab es die Aussage, die vorgebrachten Argumente bei den Überlegungen für die zukünftige  Gestaltung der Elefantenhaltung mit einzubeziehen.

Was von Befürwortern als „Entdeckungstour“, „ungewöhnliche Wege“ und „Spaziergang“ mit schönen Worten vermarktet wird, ist in Wirklichkeit ein Armutszeugnis für einen wissenschaftlich geleiteten Zoologischen Garten im 21. Jahrhundert und die Rückkehr zu überholten und nicht tiergerechten Dressurmethoden aus der Circustradition. Solche „Spaziergänge“ sind für ein Elefantenkalb keine nette Freizeitbeschäftigung und somit auch keine wünschenswerte Verhaltensbereicherung im Zooalltag. Aufgrund der damit verbundenen Trennung von der Familie sind  die Tiere hochgradig stressbelastet, und zwar nicht nur  das Elefantenkalb selbst, sondern auch die im Gehege zurückbleibende Familie. Sowohl dem Jungtier als auch dessen Familie wird beigebracht, die normalerweise für so junge Elefanten unnatürlichen Trennungen hinzunehmen, was letztlich Teil des Kontrollmechanismus im Direkten Kontakt ist. Deshalb sind, derartige „Ausflüge“ auch nur mit Dominanzverhalten bzw. Androhung von Gewalt seitens der Pfleger durchsetzbar – dass die Pfleger auch hier den Elefantenhaken griffbereit haben, ist auf den Bildern gut zu erkennen. Natürliches Sozialverhalten in Familiengruppen, wie es eigentlich Ziel eines jeden wissenschaftlich geleiteten Zoos sein sollte, wird hier einmal mehr der Kontrolle durch den Menschen untergeordnet. Irgendeinen anderen Sinn haben diese letztendlich tierquälerischen  Aktionen nicht, die dazu mit einem immensen Sicherheitsrisiko für die Elefantenpfleger und die Zoobesucher verbunden sind: Panische und somit höchst gefährliche Reaktionen sind in einer solchen Ausnahmesituation, wie sie die Trennung von der Familie und das Verlassen der gewohnten Umgebung darstellen, viel wahrscheinlicher als im „Alltag“. Hinzu kommt, dass die beiden jungen Elefantenbullen mit 3 Jahren längst das Alter erreicht haben, in dem besonders männliche Elefanten oft anfangen, sich gegen die Dominanz der Pfleger zu wehren und gegen Menschen aggressiv werden, so dass die Übernahme in den Geschützten Kontakt für die Wuppertaler Jungbullen ohnehin abzusehen ist. Anschließend ist dann für die restlichen 40 – 50 Lebensjahre Schluss mit der Verhaltensbereicherung durch „Spaziergänge“. Der letzte deutsche Zoo, dessen Pfleger sich mit Bildern von „Zwangsspaziergängen“ eines Elefantenkalbs ohne Mutter brüstete, war der Zoo Dresden, bis  der damals vierjährige „Thabo-Umasai“ im April 2010 eine Pflegerin schwer verletzte und damit solchen Aktionen ein Ende setze. Im Tierpark Hagenbeck hat man sich nach Einsetzen des Zuchtgeschehens übrigens entschieden, das zuvor bei Besuchern beliebte Elefantenreiten durch den Park zu beenden: Den Verantwortlichen war bewusst, dass die zunehmenden sozialen Bindungen durch Jungtiere bei allen Mitgliedern der Elefantenfamilie im Fall von Abtrennungen zu unvorhersehbaren Reaktionen führen können.  

2013/2014

Zoo Karlsruhe - Wiederholte Beschwerden bzgl. des unmäßig harten Umgangs der Elefantenpfleger mit den betagten Kühen

  • überdurchschnittlich häufiger Hakeneinsatz durch die Pfleger
  • Forderung überkorrekter Ausführung von Kommandos beim Ausrichten
  • Antreiben der älteren und z.T. bewegungseingeschränkten Elefanten zu schnellerem Laufen
  • überdurchschnittliche Bestrafungsaktionen, wenn Elefanten den Aufforderungen nicht schnell genug nachkommen.

Dezember 2013

Tod von zwei jungen Afrikanischen Elefantinnen

Mitte Oktober 2013 konnte endlich der seit mehr als einem Jahr geplante Tausch der Elefantenkühe des Zooparks Erfurt und des französischen Safariparks Sigean durchgeführt werden: Die beiden Vollschwestern „Akili“ (12 Jahre) und „Chupa“ (10 Jahre), Töchter des in Sigean lebenden Zuchtbullen „N´Dume“, wurden nach Erfurt geholt, während die beiden aus dem Tuli-Import stammenden Erfurter Kühe „Csami“ und „Seronga“ nach Sigean zogen.

Ca. 6 Wochen später, Ende November 2013 kollabierte „Seronga“ in Sigean und starb sofort. Am 13.12.2013 folgte die nächste Schreckensmeldung: In Erfurt musste die junge „Akili“ eingeschläfert werden, nachdem die Pfleger sie morgens liegend aufgefunden hatten und alle Versuche, sie mithilfe der Feuerwehr wieder auf die Beine zu stellen, scheiterten. In beiden Fällen dauert die Ermittlung der genauen Todesumstände noch an.
Für die überlebenden Elefanten in beiden Zoos, die Pfleger und das Zuchtprogramm für Afrikanische Elefanten in Europa sind diese Ereignisse ein schlimmer Schlag.
Zur Vermeidung weiterer Todesfälle ist es extrem wichtig, dass die Todesursachen nicht nur dieser beiden Elefanten, sondern auch der anderen, in den letzten Jahren im EEP-Raum verstorbenen jüngeren Afrikaner vorbehaltlos analysiert und zur Diskussion gestellt werden. Dass der Safaripark Sigean den Tod von „Seronga“ über 3 Wochen lang geheim hielt, obwohl der Tiertausch von einem großen Medienaufgebot begleitet wurde, wirft kein gutes Licht auf den Park.

Einige Tierschutzorganisationen stellen den Austausch von Elefanten zwischen Zoos im Rahmen von Zuchtprogrammen nun grundsätzlich infrage. Elefanten-Schutz Europa dagegen sieht auch nach den Todesfällen solche Vorhaben als richtig an, denn das EEP für Afrikanische Elefanten wird von drei Hauptproblemen bedroht: Zu wenig erwachsene bzw. Zuchtbullen, auslaufendes Zeitfenster zur Erstzucht bei jungen Elefantenkühen und mangelnde Kooperation zwischen den meisten Haltern.    
 
„Csami“ und „Seronga“ sind bzw. waren mit 17/18 Jahren längst grenzwertig alt für eine erste Trächtigkeit. In der alten Anlage kann keinesfalls ein Bulle gehalten werden, auf Eröffnung des neuen Elefantenparks in Erfurt und den Einzug eines Bullen zu warten, hätte höchstwahrscheinlich alle Zuchtaussichten zunichte gemacht. Insofern blieb zur Wahrung einer Restchance auf Mutterschaft ihre Abgabe in einen Zoo mit Bullenhaltung alternativlos. Zu kritisieren ist daran lediglich, dass diese Entscheidung nicht schon Jahre zuvor umgesetzt werden konnte.
Für die bereits geschlechtsreifen Schwestern aus Sigean stand zum Zuchtbeginn nur der eigene Vater zur Verfügung. Am sinnvollsten wäre ein Austausch dieses Bullen gewesen (der ohnehin grundsätzlich dem Austausch von Weibchen vorzuziehen ist). Das scheiterte daran, dass Sigean unter keinen Umständen bereit war, „N´Dume“ abzugeben (was kennzeichnend für die mangelnde Einsicht vieler Halter Afrikanischer Elefanten ist, trotz formaler EEP-Koordination). So blieb als Minimalkonsens nur, die vier fruchtbaren Weibchen zu tauschen. Es bleibt zu hoffen, dass sich wenigstens bei den beiden überlebenden Kühen „Csami“ und „Chupa“ Zuchterfolge einstellen.

Die Population Afrikanischer  Elefanten in europäischen Zoos und Safariparks ist derzeit noch nicht überaltert. Um aber eventuell noch einen sich selbst erhaltenden Zoobestand aufbauen zu können, müssen dringend sämtliche fruchtbaren Tiere in eine geeignete Zuchtsituation überführt werden – die längst nicht für jeden Elefanten besteht. Die hierfür seit Jahren überfälligen Transfers dürfen nicht verhindert, sondern müssen nach sorgfältiger Vorbereitung schnellstmöglich in die Wege geleitet werden.
Hoffnung für den Aufbau von sich selbst erhaltenen Familiengruppen, was nicht nur für einen sich selbst erhaltenden Bestand, sondern auch aus Tierschutzgründen dringend erforderlich ist, besteht nur, wenn sich die in vielen Fällen nicht kooperierenden Halter Afrikanischer Elefanten der dramatischen Situation des gesamteuropäischen Bestandes noch rechtzeitig bewusst werden. Die Frage, ob Zusammenarbeit über die kurzfristigen Interessen des einzelnen Besitzers gestellt werden kann, wird darüber entscheiden, ob uns der Afrikanische Elefant langfristig als Zootier erhalten bleibt.


November 2013

Sozialverhalten von Elefantenbullen:                                                          Videos aus  Amersfoort und Kopenhagen
Elefantenbullen sind entgegen der veralteten „Lehrmeinung“ keine Einzelgänger, sondern hochsoziale Tiere, von deren Anwesenheit in vielen Fällen alle Mitglieder einer Elefantenherde und besonders Jungtiere sehr profitieren können. Gerade Bullkälber suchen den Kontakt mit  adulten Männchen. In diesem Video http://www.youtube.com/watch?v=QHulzzPFIRU aus dem Zoo Amersfoort ist es der einjährige „Kyan“, der gerne mit dem 21-jährigen, mehr als sechs Tonnen schweren „Chamundi“ spielen möchte. Die Interaktionen müssen leider über den Zaun hinweg stattfinden, da „Chamundi“ sich gegenüber den erwachsenen Kühen der Amersfoorter Herde als zu ruppig erwiesen hat.
Anfang November 2013 durfte der älteste Elefantenbulle Europas, der 54-jährige „Chieng Mai“ aus dem Zoo Kopenhagen, erstmalig zu der Weibchengruppe (Bestand: 4 adulte Kühe und ein Jungtier)  auf die große Außenanlage. Laut einer Pressemitteilung des Zoos soll der Bulle nun regelmäßig mit der Herde zusammen kommen. Deckakte sollen in Zukunft in der Gruppe stattfinden, anstatt die Kuh separat dem Männchen in der Bullenanlage zuzuführen. Inzwischen hat „Chieng Mai“ mehrere Nächte in der Herde verbracht und bereits die Kuh „Surin“ gedeckt. Dadurch sind nun auch Kontakte zwischen „Chieng Mai“ und seinem jüngsten Sohn, dem im Februar 2013 geborenen „Kao Sok“, möglich. Trotz großer Aufregung bei allen Tieren verlief das erste Treffen gut, das Video ist hier zu sehen: http://www.youtube.com/watch?v=g2PzOwcXw84&feature=c4-overview&list=UUye3a14XTwGSKyP-T_tAV5w


Oktober 2013


Elefanten vom Zoo Toronto endlich im PAWS Sanctuary in Kalifornien
Am 20.10.2013 kamen die drei verbliebenen Afrikanischen Elefantenkühe des Zoo Toronto (Kanada), „Thika“ (33 Jahre), „Toka“ (43 Jahre) und „Iringa“ (44 Jahre) nach einer ca. 70-stündigen Fahrt und langem Kampf zwischen Tierschützern und Zoounterstützern in der Auffangstation für Circus- und Zootiere der Performing Animal Welfare Society (PAWS) nahe San Andreas an. Die drei Elefantinnen überstanden den langen Transport problemlos und gingen bereits weniger als 24 Stunden nach der Ankunft das 1. Mal ins Außengehege. Durchgeführt wurde der Transport von einem Team aus Elefantenexperten unter der Leitung von Magaret Whittaker der Firma Active Environments, das extra für diesen Anlass zusammen gestellt worden war. Dabei waren neben drei Angestellten aus Toronto Scott Blais (Mitbegründer des Elephant Sanctuary in Tennessee),  Elefantenmanager Jeff Kinzley und Tierärztin Andrea Goodnight vom Zoo Oakland sowie gleich zwei Zoodirektoren:  Joel Parrot vom Zoo Oakland, der Tierarzt ist, sowie der frühere Elefantenpfleger und heutiger Direktor des Alaska Zoo Anchorage, Pat Lampi. Dies ist eine eindrucksvolle Demonstration der Unterstützung aus einigen Zoos, die angesichts des Umstandes, dass PAWS im Vorfeld des Transfers sowohl von der nordamerikanischen Zooorganisation AZA, der kanadischen Zooorganisation CAZA sowie dem Toronto Zoo heftig angegriffen und diskreditiert wurde, beeindruckend ist.


Denn dem Transport war ein fast zweieinhalbjähriger heftiger Streit um das Schicksal der Tiere voraus gegangen, da Zoomanagement und Elefantenpfleger die Entscheidung des Stadtrats von Toronto, die Elefanten in das Sanctuary von PAWS nach Kalifornien zu schicken, nicht akzeptierten und bis zum Schluss mit allen Mitteln dafür kämpften, entweder die Elefantenhaltung in Toronto fortzusetzen oder einen Transfer in das von mehreren Zoos betriebenen „National Elephant Center“ in Florida zu erreichen. Hauptargumente der Anti-Sanctuary-Fraktion waren die angebliche Tuberkulose-Gefahr in PAWS sowie die lange Reisezeit nach Kalifornien, die diese als Tierquälerei ansehen. Fakt ist allerdings, dass bei Elefantentransfers zwischen Zoos sowohl in Nordamerika als auch in Europa Reisezeiten über Land von 2-3 Tagen nicht außergewöhnlich sind, und zwar nicht nur in Bezug auf junge Tiere, sondern auch ältere Elefanten. Solche Transporte sind für die Tiere zweifellos sehr anstrengend, laufen aber trotzdem in aller Regel problemlos ab, erst recht, wenn wie im Falle der Toronto-Elefanten dank Kistentraining auf eine Sedierung verzichtet werden kann. Erinnert sei nur an den Transport der damals 51-jährigen Afrikanerkuh „Peaches“ zusammen mit ihren 34-jährigen Artgenossinnen „Wankie“ und „Tatima“ quer über den Kontinent von San Diego nach Chicago. Diese drei überstanden die Reise genauso wie die Toronto-Elefanten problemlos (die anschließende Umstellung auf das Leben vom sonnigen Kalifornien auf die harten Winter in Chicago allerdings nicht). Auch Afrikanerbulle „Kibo“, der im September 2013 von Boras in Schweden ins spanische Valencia reiste und dafür fast 60 Stunden in der Transportkiste eingesperrt war, ist mit 36 Jahren bereits nicht mehr jung. Sollten sich die Elefantenpfleger in Toronto mit ihrer Bewertung, lange Transporte über Land seien tierquälerisch, durchsetzen, würde dies für nordamerikanische Zoos schwere Konsequenzen haben – allerdings liegt der Verdacht nahe, dass diese langen Reisezeiten nur dann inakzeptabel und tierquälerisch sind, wenn am Ende der Reise ein Sanctuary liegt…


Die vom Fernsehsender CBC produzierte Dokumentation über den Transport ist sehr sehenswert und unter http://www.cbc.ca/fifth/episodes/2013-2014/elephants-on-board-a-journey-to-remember abrufbar. Der vorangegangene Streit über das Schicksal der kanadischen Elefanten (nicht nur aus Toronto) ist Thema einer ebenfalls sehr sehenswerten Dokumentation aus dem Jahr 2012, die unter http://www.youtube.com/watch?v=fzRJ5Y_LxcQ zu finden ist. 


September 2013

Rindenmulchboden im Kölner Elefantenhaus

Im  2004 eröffneten Elefantenhaus des Zoo Köln, das leider komplett mit Betonboden versehen ist, ist seit einiger Zeit im rechten oberen Teil der 1.600 m² großen Innenanlage für die Elefantenkühe und auch im Bullenbereich je eine Teilfläche mit Rindenmulch ausgelegt. Die zunächst kleine Fläche wurde in den letzten Monaten ständig vergrößert. Für die Elefanten hat dies gleich zwei große Vorteile. Einerseits können sich die Tiere jetzt auf weichem Boden viel bequemer zum Schlafen hinlegen als zuvor, was Druckwunden vermeidet und  eine große Steigerung der Lebensqualität bedeutet. Andererseits steht den Tieren jetzt ein großer Bereich zur Verfügung, in dem Urin durch das Bodensubstrat aufgesogen wird, so dass sie nicht mehr in ihren eigenen Fäkalien stehen müssen. Das wird sich positiv auf die Fußgesundheit auswirken. Ein schönes Beispiel, wie man auch Elefantenhäuser, die nicht für einen Sandboden gebaut sind, umrüsten kann!

Jungbulle „Sang Raja“, inzwischen 14 Jahre alt, ist in den letzten Jahren mächtig gewachsen. Dennoch kann er nach wie vor problemlos mit dem voll adulten Bullen „Bindu“ (44 Jahre alt) zusammen gehalten werden.


September 2013

Infantizid im Zoo Halle: Die Tragödie um Elefantenkuh „Bibi“ und die Afrikanischen Elefanten im Tierpark Berlin und im Zoo Halle

Am 17.9.2013 gegen 9 Uhr morgens brachte die ca. 28-jährige Afrikanische Elefantin „Bibi“ im Zoo Halle ein weibliches Jungtier zur Welt, das sie direkt nach der Geburt angriff und tötete. Das Kalb starb an Verletzungen, die ihm die Mutter mit den Stoßzähnen zugefügt hatte. Die Geburt fand in den Bullenboxen des Elefantenhauses, die als Geburtsstall dienten, ohne Ankettung und ohne menschliches Eingreifen statt. „Bibis“ 6-jährige Tochter „Panya“ war bei der Geburt dabei, die übrigen Elefantenkühe hingegen abgesperrt.

Die Aggressionen von „Bibi“ sind auf den ersten Blick völlig unverständlich, da „Bibi“ eine erfahrene Mutter ist und vor ihrem Transfer nach Halle im Tierpark Berlin bereits zwei Töchter problemlos aufgezogen hat. Obwohl bisher im Tierpark Berlin grundsätzlich alle Geburten – auch bei sehr erfahrenen Mutterkühen – an Ketten stattfinden und die Elefantenpfleger Mutter und Kind direkt nach der Geburt „sicherheitshalber“ trennen sollten, brachten einige Mütter ihre Jungtiere allein und ohne menschliches Eingreifen zur Welt, so auch „Bibi“. Bei der Geburt von „Matibi“ 1999 war „Bibi“ angekettet, da damals noch alle Elefanten im Tierpark über Nacht routinemäßig an die Kette gelegt wurden; jedoch fand die Geburt morgens vor dem Eintreffen der Pfleger und damit auch ohne menschliche Intervention statt. „Bibi“ war damals nach der Geburt unruhig, nennenswerte Probleme gab es aber nicht. „Panya“ wurde  2007 früh morgens auf der Außenanlage – wiederum ohne menschliche „Hilfe“ – geboren. Nach Angaben sei sie jedoch zunächst davongelaufen und zeigte Aggressionszeichen, weshalb man auf eine Zusammenführung durch die Pfleger setzte. Angesichts dieser Vorgeschichte war die Entscheidung der Verantwortlichen in Halle, „Bibi“ ohne Ketten und im Beisein ihrer Tochter „Panya“ gebären zu lassen, absolut nachvollziehbar und richtig, denn Elefantenkühe, die ohne Ketten und ohne Störung durch Pfleger gebären dürfen, sind signifikant ruhiger, seltener aggressiv und leiden seltener unter Geburtsstörungen. Dass eine Elefantenkuh, die bereits ein Kalb erfolgreich aufgezogen hat, bei einer späteren Geburt aggressiv reagiert, ist extrem ungewöhnlich – meistens treten derartige Probleme bei erstgebärenden Kühe auf, und selbst bei erstgebärenden Elefantinnen sind ernsthafte Aggressionen gegen das eigene Kalb nicht häufig. Die Infantizidrate betrug zwischen 1875  und dem 01.06.2012 bei 672 Elefantengeburten in Europa, Nordamerika und Australien lediglich 3,3 % http://www.european-elephant-group.com/files/PDF/21_geburten_DrKeese.pdf

Zur Ursachenforschung für das Drama bei „Bibis“ dritter Geburt sollte man den einzigen Faktor betrachten, der sich in „Bibis“ Leben seit den Geburten 1999 und 2007 entscheidend verändert hat: ihre soziale Situation. Die Zuchtgruppe Afrikanischer Elefanten im Tierpark Berlin bestand ursprünglich aus sechs adulten bzw. jungerwachsenen Kühen: „Dashi“ (geb. 1968), „Lilak“ (geb. 1971), „Mafuta“ (geb. 1981), „Pori“ (geb. 1981), „Bibi“ (geb. 1985) und „Sabah“ (geb. 1985). Diese Sechsergruppe bestand sozial gesehen aus drei Untergruppen von Weibchen samt Jungtieren. „Dashi“ hatte „Bibi“ direkt nach deren Ankunft im Tierpark 1987 unter ihre Fittiche genommen und quasi adoptiert; die beiden hatten bis zu „Bibis“ Abgabe nach Halle 2008 eine sehr enge Beziehung zueinander. „Lilak“, 1996 aus dem Zoo Berlin zu der Afrikanergruppe im Tierpark gestoßen, war eng mit der zweiten jungen Kuh „Sabah“ befreundet, und „Pori“ und Mafuta“, die vor ihrem Transfer nach Berlin zusammen im Zoo Magdeburg gelebt hatten, waren unzertrennlich.

Keine dieser drei Sozialgruppen ist heute noch intakt, obwohl nur ein einziges Tier („Sabah“) verstorben ist, denn der noch amtierende Tierparkdirektor Dr. Blaszkiewitz hat bei der Entscheidung, welche Tiere abgegeben werden, auf die sozialen Beziehungen der Tiere keinerlei Rücksicht genommen. So stehen heute mit „Bibi“,  „Mafuta“ und mit „Poris“ Tochter „Tana“  in Halle drei Weibchen, die zueinander keinerlei positive Bindungen haben, während sich im Tierpark „Dashi“, „Lilak“, „Pori“ und die Tochter der inzwischen verstorbenen „Sabah“, „Kariba“ miteinander arrangieren müssen.  Diese rücksichtslose Abgabepolitik von Dr. Blaszkiewitz ist auch die alleinige Ursache dafür, dass in Halle keine erwachsene Elefantenkuh vorhanden ist, die „Bibi“ bei der Geburt hätte beistehen können – „Dashi“, die bei „Bibis“ früheren Geburten immer in ihrer Nähe war und mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen beruhigenden Einfluss hatte, musste im Tierpark zurück bleiben. „Bibis“ Verhalten in Halle legt nahe, dass sie sich vor allem mit der dort dominanten „Mafuta“ arrangiert hat, befreundet sind die beiden aber nicht. Insofern ist auch die Entscheidung des Zoo Halle, „Mafuta“ aus Furcht vor Auseinandersetzungen mit „Bibi“ nicht mit in den Geburtsstall zu lassen, absolut nachvollziehbar, zumal „Mafuta“ kein ausgeprägtes „Tantenverhalten“ zeigt. Für „Bibi“ waren die Abgabe nach Halle ohne „Dashi“ und die bereits zuvor erfolgte Trennung von ihrer älteren Tochter „Matibi“ durch deren Transfer nach Osnabrück weitere einschneidende, traumatische Ereignisse. Diese haben das Potential, sich bei einem bereits zuvor traumatisierten Tier („Bibi“ hat wie alle importierten Wildelefanten beim Einfangen ihre Familie verloren) dramatisch auszuwirken. Dabei handelt es sich nicht um „Gefühlsduselei“, sondern um Erkenntnisse der modernen Hirnforschung  (vgl. dazu  http://www.european-elephant-group.com/files/PDF/19_neurobiologie_garai.pdf). Dass „Bibi“ in ihrem Leben (zu) viel mitgemacht hat, sieht man ihr auch an: sie zeigt mit Minderwuchs und starken Stereotypien typische körperliche Merkmale eines schwer traumatisierten Elefanten. Dass sie überhaupt wieder schwanger geworden ist, ist vor diesem Hintergrund das einzige, was überrascht – ihr aggressiver Ausbruch nach der Stresssituation Geburt mit der folgenschweren Attacke auf ihr Jungtier passt leider in das Gesamtbild.

Auch die Tierpark-Elefanten leiden sichtbar an der Situation, wie sie Dr. Blaszkiewitz geschaffen hat: „Dashi“ steht sozial völlig isoliert am Rand der Herde, hat mit „Bibi“ und deren Töchtern bereits drei Sozialpartnerinnen verloren. „Pori“ wird seit dem Verlust ihrer Freundin „Mafuta“ und ihrer Tochter „Tana“ nicht mehr schwanger. Sie hat keine enge weibliche Sozialpartnerin mehr. Seit dem Auseinanderreißen der Sozialgruppen im Tierpark ist die Fortpflanzung in der Afrikanergruppe  völlig zum Erliegen gekommen. Die zweite im Tierpark verbliebe Zuchtkuh, Elefantin „Sabah“, wurde 2010 von „Pori“ so schwer verletzt, dass Sabah“ an den Folgen verstarb. Um „Sabahs“ verwaiste Tochter „Kariba“ (geb. 2006) kümmert sich seit dem Tod ihrer Mutter glücklicherweise deren Freundin „Lilak“, die dominante Kuh der Herde, doch leider wird die Beziehung der beiden zueinander vom Tierparkmanagement (mal wieder) komplett ignoriert: „Lilak“ und „Kariba“ werden im Haus getrennt voneinander so  aufgestallt, dass nicht einmal Rüsselkontakt möglich ist. Waisenkind „Kariba“ muss damit je nach Jahreszeit 14-18 Stunden oder noch länger ohne Kontakt zu ihrer Pflegemutter auskommen, was nicht dazu beitragen wird, die psychischen und körperlichen Folgen des Traumas, das bei einem hochsozialen Lebewesen wie einem Elefanten durch den frühen Verlust der Mutter ausgelöst wird, zu vermindern. Auch „Kariba“, obwohl zoogeboren, zeigt inzwischen Wachstumsrückstände und Verhaltenssstereotypien.

Die Transferentscheidungen von Dr. Blaszkiewitz in den letzten Jahren betreffend die Afrikanischen Elefanten haben damit nicht nur auf das Wohlbefinden der Tiere dramatische, tierschutzrelevante  Auswirkungen, sondern verhindern auch eine Fortsetzung der früher so erfolgreichen Zucht. Es ist dringend erforderlich, zwischen Halle und dem Tierpark Berlin Elefantenkühe auszutauschen, wenn  man weitere erfolgreiche Nachzucht haben will, und zwar gerade auch mit Blick auf die beiden Jungkühe in Halle, „Tana“ und „Panya“, sowie „Kariba“ in Berlin. Rücksichtnahme auf die sozialen Beziehungen von Afrikanischen Elefanten ist keine Gefühlsduselei für idealistische Tierfreunde, sondern notwendige Voraussetzung für den Aufbau einer sich selbst erhaltenden Population in Menschenhand!


Mai 2013

Schöne Nachrichten aus dem Afrikaner-EEP:                                                        Gruppengeburten in Wuppertal und Boras (Schweden)
Nach vielen Todesfällen in den letzten Monaten gibt es auch aus dem Zuchtprogramm für Afrikanische Elefanten im Mai 2013 wieder erfreuliche Meldungen: am 13.05.2013 gebar ... weiterlesen

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Mai 2013

Elefantenbabys aus Hannover nach Osnabrück – Perversion des EEP-Gedankens
Am 06.05.2013 wurden die beiden asiatischen Bullkälber „Nuka“ (geb. am 11.05.2010) und „Dinkar“ (geb. am 06.08.2010) in den Zoo Osnabrück transportiert. Sie sollen dort ... weiterlesen

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April 2013

Zoo Houston/Texas: Circusdressur und der mögliche Zusammenhang zwischen Distress und Herpes
Der Zoo Houston in Texas, USA, rührt die Werbetrommel - mithilfe seiner Elefantenvorführung. In Anwesenheit von Reportern wurde nicht nur das Training der ... weiterlesen

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April 2013

Tod zweier Afrikanerkühe nach Angriffen von Artgenossinnen

Innerhalb weniger Wochen sind zwei Afrikanische Elefantenzuchtkühe Angriffen erlegen. Am 2.April 2013 starb die vierfache Mutter „Swana“ (27 J.) im Howletts...weiterlesen

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Januar 2013

Valencia: Afrikanerzuchtbulle „Pambo“ verstorben

Mit knapp 21 Jahren verstarb am 23.01.2013 im Bioparc Valencia der Afrikanische Elefantenbulle „Pambo“. Nach Angaben auf der zooeigenen Webseite hat sich das Tier ... weiterlesen

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Januar 2013

Gruppengeburt im Zoo Melbourne, Australien


In den frühen Morgenstunden des 17. Januar 2013 gebar die 13-jährige Elefantin „Num-Oi“ ihr erstes Kalb. Das mit 131 kg ziemlich große Bullkalb kam nach einer ... weiterlesen

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Januar 2013

Offener Brief von Elefanten-Schutz Europa e.V. aus Anlass der geplanten Abgabe der Afrikanischen Elefanten aus dem Zoo Osnabrück

Sehr geehrter Zoo Osnabrück,
sehr geehrtes Afrikaner-EEP,

wie Sie wissen, will die European Elephant Group die Elefantenhaltung in Zoos nicht abschaffen, sondern im Gegenteil diese optimieren und erhalten. Wir möchten uns ... weiterlesen

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2013

Zoo Karlsruhe - Der Erweiterungsbau ist komplett fertiggestellt. Sicherheitsgerechte, von außen bedienbare Tore wurden nicht eingebaut.


2012/2013

Zoo Karlsruhe - Nachfragen von Elefanten-Schutz Europa zum Sicherheiskonzept

Unser Verein weist nden Zoo karlsruhe ochmals darauf hin, dass die Anzahl der im Direkten Kontakt gehaltenen Elefantenkühe stetig abnimmt, weshalb eine längerfristige Sicherung der Elefantenhaltung den Einbau von außen bedienbarer Torsysteme bedeutsamer werden läßt.

Unfälle mit Elefanten im Zoo Karlsruhe sind zu diesem Zeitpunkt noch nicht bekannt geworden.

Die Antwort bleibt inhaltlich erneut ohne Aussage, weist unsere Bedenken jedoch pauschal zurück

2. EEG-Nachfrage bei der Stadt Karlsruhe, Dezember 2012


Dezember 2012

Elefantenfreunde unterstützen Zoos

Zu den wesentlichen Zielen des Vereins Elefanten-Schutz Europa. e.V. zählt, wo immer möglich die Haltungs- und Lebensqualität von Elefanten in Menschenhand verbessern zu helfen. Besonders notwendig ist dies in materiell schlecht ausgestatteten Zoologischen Gärten, wo es mitunter am einfachsten Equipment fehlt, so z.B. in etlichen Zoos Osteuropas.
Nun besteht erstmals die Möglichkeit für Sie, liebe Elefantenfreunde, einen Zoo Ihrer Wahl mit einer Sachspende zu unterstützen!

Elefanten-Schutz Europa e.V. hat zu diesem Zweck Hilfspakete zusammengestellt, die folgenden Inhalt haben...weiterlesen

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November 2012

Elefanten in nordamerikanischen Zoos

Die sehr sehenswerte TV-Dokumentation "THE ELEPHANT IN THE ROOM" (in englischer Sprache) über den Streit zwischen Tierschützern und Zoos um Elefantenhaltung in kanadischen Zoos, die am 09. November 2012 vom kanadischen Sender CBC Television ausgestrahlt wurde, ist unter http://www.youtube.com/user/yukonquestcruelty?feature=watch in vier Teilen abrufbar. Der Beitrag behandelt eingehend die Diskussion um das Schicksal der Elefanten in den Zoos von Anchorage (Alaska/USA), Toronto (Kanada) und Edmonton (Kanada) mit einer Darstellung der Argumente beider Seiten sowie Bildern aus dem PAWS Sanctuary in Kalifornien.

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November 2012

Ende der Kontroverse um die Elefanten aus Toronto?

Der Toronto Zoo (Kanada) hält seit seiner Gründung Afrikanische Elefanten. Von den sieben jungen Elefanten (sechs Kühe, ein Bulle), die dort 1974 angekommen sind, leben heute ... weiterlesen

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November 2012

Tierpark Berlin: Verbesserungen und Rückschritte 
Erfreulicherweise wurde nach gut 10 Jahren die Strukturierung der Asiatenanlage des 
Tierparks durch zwei neue Sandhügel ... weiterlesen
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November 2012

Eine Elefantenfamilie mit 4 Generationen im Zoo Chester

Um 1.30 Uhr morgens am 25.11.2012 hat die junge Elefantenkuh „Sundara“ in dem nordenglischen Zoo ihr erstes Kalb zur Welt gebracht. Die komplikationslose Geburt erfolgte im Beisein ... weiterlesen

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November 2012

Nachrichten aus dem Zoo Pittsburgh über „Thabo-Umasai“

Nach Presseberichten vom 23.11.2012 hat sich der 2006 im Zoo Dresden geborene und im August 2011 an den US-amerikanischen Zoo Pittsburgh transferierte ... weiterlesen

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November 2012

Richtfest für das neue Elefantenhaus im Opelzoo Kronberg

Am 16. November 2012 feierte der Opelzoo Richtfest für das neue Elefantenhaus, das im März 2013 fertig werden soll. ...weiterlesen

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November 2012

Emmen: Abgabe der „Htoo Yin Aye“-Familie steht bevor

Mitte November 2012  hat der Zoo Emmen bekannt gegeben, dass die ca. 30-jährige Elefantenkuh „Htoo Yin Aye“ mit ihrer 14-jährigen Tochter „ Ma Palai“ sowie ... weiterlesen

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November 2012

Elefantenkuh „Tania“ im Zoo Targu Mures/Rumänien und die Problematik mit älteren Elefantenkühen im EEP

Seit September 2012 lebt die ca. 37-jährige Asiatische Elefantenkuh „Tania“ in der neuen Elefantenanlage des rumänischen Zoo Targu Mures. In der rumänischen Presse sind im Oktober Sorgen... weiterlesen

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November 2012

Aktuelle Entwicklung in den Zoos von Twycross und Woburn

Im Herbst 2012 hat der englische Zoo Twycross (Bestand: 4 Asiatische Elefantenkühe) das Haltungssystem wie bereits seit längerem geplant auf „Geschützten Kontakt“ umgestellt. ... weiterlesen

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Oktober 2012

Zoo Köln plant die Abgabe einer Elefantenkuh

Ende Oktober 2012 hat der Zoo Köln bekannt gegeben, dass die 2005 aus Myanmar importierte, ca. 16-jährige Elefantenkuh „Aye Chan May“... weiterlesen

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20.Oktober 2012

Zoo Rhenen: "Tembo" und "Sabi" geht es gut

Vor genau einem Jahr am 20.Oktober 2011 verletzte die Afrikanische Elefantenkuh "Sabi" im Zoo Augsburg einen Pfleger sehr schwer. "Sabi" und die zweite Afrikanerkuh des Zoos, "Tembo", wurden daraufhin ... weiterlesen

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Herbst 2012

Zoo Karlsruhe - Erweiterung des Elefantenhauses nach der Brandkatastrophe. Vereinsanfrage während der Umbauarbeiten bezüglich der Sicherheitsvorkehrungen

Nicht nach den ersten beiden Anfragen, sondern gleichzeitig mit unserem dritten Versuch zur Kontaktaufnahme zur Leitung des Zoos Karlsruhe, erhielten wir Post zunächst der Direktorin Frau Dr. v. Hegel, nachfolgend auch von ihrem Vorgesetzten, dem für den Zoo zuständigen Bürgermeister der Stadt Karlsruhe.
Kurz zusammengefasst beantwortet keiner dieser Briefe unsere Frage nach dem Einbau fernbedienbarer Tore im Zuge der Erweiterung des Elefantenhauses. Verwiesen wird stattdessen auf den kompletten Neubau im Zuge der Zooumgestaltung.

Die jeweiligen Schreiben können hier nachgelesen werden:

EEG-Anfrage beim Zoo Karlsruhe 2012                                                                                       

EEG-Anfrage bei Bürgermeister und Zoo Karlsruhe 2012

Einige Aussagen möchte Elefanten-Schutz Europa jedoch hinterfragen:

Die Meinung, erst bei der im Rahmen des Zooausbaus geplanten Elefantenzuchtanlage auf sicherheitstechnische Aspekte Rücksicht nehmen zu müssen, ist viel zu kurz gedacht und gefährdet das Leben der Elefantenpfleger noch auf viele Jahre.
Die ursprünglich angedachte Fertigstellung (!) für 2015 ist inzwischen unmöglich. Auch ein Baubeginn „in naher Zukunft“ dürfte illusorisch sein: Bei der Haushaltslage der Stadt Karlsruhe sowie dem Ringen um die Gelder für ein geplantes Exotenhaus (10 – 18 Mio. Euro) wären ansonsten sicher keine 880.000 Euro in einen Anbau an das alte Elefantenhaus investiert worden.

Widersprüchlich sind die Angaben von Bürgermeister Obert und Zoodirektorin Frau Dr. v. Hegel. Während im Brief des Bürgermeisters steht: „Die Sicherheitssituation für das Elefantenpflegerteam verbessert sich durch die geplanten Einbauten deutlich“, findet sich in der Antwort des Zoos kein solcher Hinweis: „Unser…Anbau… dient ausschließlich einer Verbesserung der Haltungsbedingungen während der Wintermonate.“ Sollten keine fernbedienbaren Tore vorgesehen sein, würde der Ausbau nicht den Forderungen der Fachgruppe des EAZA Elephant TAG entsprechen: „ New / renovated enclosures should be constructed in such a way that it is possible to handle elephants by protected contact“ (EAZA Elephant TAG, 2004)

Weiter heißt es im Antwortschreiben des Zoos: „ Sollten weitere bauliche Veränderungen im Hinblick auf das Handling der Tiere…notwendig sein, hat der Karlsruher Zoo bisher immer eine Lösung gefunden.“
Das Problem an dieser Einstellung ist, dass ein Umbau nach einem Angriff viel zu lange dauert und die Tierpfleger in eine unzumutbare und lebensgefährliche Situation bringt. Erinnert sei daran, dass nach dem Unfall in Augsburg der einzige Pfleger, der noch mit allen Elefanten umgehen konnte, fünf Wochen lang ohne freien Tag bis zum Abtransport der Afrikaner durcharbeiten musste!
Zudem kostet ein neuerlicher Umbau deutlich mehr Geld, als gleich bei der Erstausstattung die Tore fernbedienbar auszuführen. Das ist gerade im Hinblick auf die finanzielle Lage der Stadt Karlsruhe zu kurz gedacht.

Der von der Zoodirektorin  angesprochene Punkt 3 bezieht sich auf den verstärkten Hakeneinsatz des Pflegerteams, speziell seit den jüngsten Personalwechseln im Elefantenrevier. Die personellen Wechsel sind dokumentiert und nachvollziehbar, die Tatsache, dass etliche Angriffe weltweit verstärkt nach Pflegerwechsel stattfanden und –finden ebenso. Zur Verdeutlichung des „unterstützenden Einsatzes“ des Elefantenhakens haben wir stellvertretend ein paar Fotos eingestellt (alle Bilder: Archiv EEG).

Im Widerspruch zu der verharmlosenden Darstellung auf unsere Fragen hin steht auch, dass der Zoo dem Besucher gegenüber sehr wohl auf die Gefährlichkeit aller Elefanten hinweist – und somit die Notwendigkeit zur Dominanz der Pfleger als Superalphas und zur Bestrafung zu begründen versucht, „…gegebenenfalls auch durch Einsatz eines Elefantenhakens oder der Peitsche…“ (s. Foto)

Allerdings lassen sich viele Elefanten auch durch brutalen Hakeneinsatz nicht auf Dauer unter Kontrolle bringen. So wurde von mehreren Personen unabhängig voneinander beobachtet, dass Einzeltiere in Karlsruhe Kommandos trotz Hakeneinsatzes nicht ausführten oder dass mehrfach die Elefantenvorführungen ohne Begründung abgesagt wurden bzw. oft nur bei Anwesenheit des Revierleiters durchgeführt werden. Zusätzliche Gefahr droht durch Auseinandersetzungen innerhalb der Herde: trotz Eingreifen der Pfleger wurde die betagte Kuh „Rani“ bei einer Auseinandersetzung mit „Jenny“ umgestoßen und musste wochenlang am Vorderbein behandelt werden.


Am 02. Mai 2012 starb Elefantenkuh "Chumpol" an Verletzungen, die sie durch  Angriffe anderer Elefanten erlitten hatte. Unserem Verein liegen Augenzeugenberichte, Fotos und ein Video vor,... weiterlesen

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Auf diesem Video vom 25.08.2012 ist  zu sehen, wie die Elefantenkuh "Sabie" die 7-jährige "Bongi" heftig attackiert  und fast über die Gehegeabsperrung wirft. Einen ähnlichen Vorfall... weiterlesen

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14.06.2012

Zusammenmarbeit unseres Vereins mit Zoologischen Gärten zur Verbesserung der Elefantenhaltung.

Gute Elefantenhaltung erfordert einigen Aufwand und Ideenreichtum. Oft läßt sich schon mit vergleichsweise geringem Aufwand viel Gutes für die grauen Riesen bewirken...weiterlesen

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Sommer 2012

Zoo Karlsruhe - Umbauarbeiten am Elefantenhaus

Das beschädigte Elefantenhaus soll einen Anbau mit Sandboden erhalten. Die Forderungen der EAZA-Expertenkommission (Elephant TAG) besagen seit 2004, dass auch bei Umbaumaßnahmen Voraussetzungen für Geschützten Kontakt zu schaffen sind - nicht nur bei kompletten Neubauten.

New / renovated enclosures should be constructed in such a way that it is possible to handle elephants by protected contact“ (EAZA Elephant TAG, 2004)

Ob diese beim Umbau des Karlsruher Elefantenhauses geplant sind, steht zu diesem Zeitpunkt noch nicht fest.


2012

Zoo Karlsruhe: Unser Verein erhält von mehreren Seiten Beschwerden zu den Haltungsmethoden im Zoo Karlsruhe

Anhand der Beobachtungen kann von einem "moderaten Umgang" nicht die Rede sein. Am häufigsten genannt wurden:

  • überdurchschnittlich häufiger Hakeneinsatz durch die Pfleger
  • Forderung überkorrekter Ausführung von Kommandos beim Ausrichten
  • Antreiben der älteren und z.T. bewegungseingeschränkten Elefanten zu schnellerem Laufen
  • überdurchschnittliche Bestrafungsaktionen, wenn Elefanten den Aufforderungen nicht schnell genug nachkommen.

13.11.2010

Zoo Karlsruhe - Brand im Zoo

Bei einem Brand im Streichelzoo sterben 26 Tiere. Auch das Elefantenhaus wird schwer beschädigt, Elefanten erleiden z.T. Verbrennungen


Herbst 2006

Elefantenkampf im Zoo Köln – vorhersehbar und untragbar

Statement des Vereins ELEFANTEN-SCHUTZ  EUROPA  e.V. / European Elephant Group:


Was in Presse und TV als „spannender Kampf der Giganten“ und als „Elefanten-Wrestling“ im Zoo dargestellt wird, ist in Wirklichkeit ein tiergärtnerisches Desaster....weiterlesen
 

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Ungekürzte Antwort von Zootierarzt Dr. Behlert auf unsere Kritik 

                                                                                      
An ELEFANTEN-SCHUTZ EUROPA e.V., Alexander und Beate Haufellner
                            5. Oktober 2006

Sehr geehrter Herr Haufellner,

bezugnehmend auf Ihren Beitrag zu unserem Elefantenpark kann ich eigentlich der Reaktion von Fred Kurt kaum noch etwa hinzufügen.

Verwundert bin ich schon, denn Sie selbst.... weiterlesen
 

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Unser Antwortwortschreiben an Dr. Behlert vom 11. Oktober 2006

Sehr geehrter Herr Dr. Behlert,

wir danken für Ihr Schreiben vom 05.10.2006, in dem Sie Ihre Sichtweise der Ereignisse nach dem Elefanten-Import aus Thailand darlegen.

Unser Verein wird die von Ihnen gewünschte „Größe“ haben und Ihr ... weiterlesen